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Lehrkräfte beim Fördern unterstützen

Inklusion, Flüchtlingskinder, unterschiedliche Lernniveaus: Lehrerinnen und Lehrer, die individuell fördern wollen, stehen heutzutage vor zahlreichen Herausforderungen. Das Frankfurter Forum hat jetzt einen Beitrag dazu geleistet, sie dabei besser zu unterstützen.

Denn wer individuell fördern will, kann zwar inzwischen auf viele methodische Angebote zurückgreifen, doch deren Wirksamkeit ist keineswegs immer belegt. Auf dem vom DIPF auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität mitveranstalteten Forum wurden daher drei Förderprogramme vorgestellt, deren Effektivität wissenschaftlich nachgewiesen wurde:

  • Lautarium: ein computerbasiertes Trainingsprogramm für Grundschulkinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (vorgestellt von Professorin Dr. Maria Klatte von der TU Kaiserslautern)
  • Meister Cody: ein ebenfalls computerbasiertes Trainingsprogramm für Grundschulkinder mit Rechenschwierigkeiten (präsentiert von Dr. Jörg-Tobias Kuhn von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster)
  • Das Lobo-Programm: eine elternbasierte Sprachförderung im Vorschul- und Grundschulalter (erläutert von Dr. Julia-Katharina Rißling von der Universität Bremen).

Die Anwendung der beiden ersten Programme wurde darüber hinaus noch in Workshops vertieft, so dass die Referierenden auch gezielt auf Fragen der teilnehmenden Lehrkräfte eingehen konnten.

Platz für Austausch bot sich dann auch bei der abschließenden Diskussion, bei der auf dem Podium neben allen Vortragenden auch Professor Dr. Marcus Hasselhorn für das DIPF, Christa Engemann (Referatsleiterin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg) und Ulrike Krug (Leiterin des Projektbüros für förder- und kompetenzorientierten Unterricht des Hessischen Kultusministeriums) Platz nahmen.

Und das Teilnehmerfeld hatte viele fachkundige Fragen – so beispielsweise:

  • Wie lassen sich Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bei Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch diagnostizieren? (Antwort Rißling: Zum Beispiel über Vergleiche mit anderen mehrsprachigen Kindern)
  • Hilft Lautarium bei den konkreten Symptomen der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten oder ist es eher als allgemeines funktions- und wahrnehmungsspezifisches Training einzuordnen? (Antwort Klatte: Wir versuchen möglichst alle Ebenen miteinander zu verzahnen)
  • Geht Cody nur auf Rechenoperationen oder auch auf räumlich-visuelle Aspekte ein? (Antwort Kuhn: Es konzentriert sich eher auf die Rechenoperationen, weil das nach aktueller Forschung am effektivsten ist)

Doch die Diskussion drehte sich nicht nur um die Trainingsprogramme. So wurde auch deutlich, dass viele Lehrkräfte zwar individuell fördern wollen, aber sich damit aus verschiedenen Gründen schwer tun – vor allem wegen mangelnder Zeit oder wegen fehlender anderer Ressourcen. „Die Forderung nach der individuellen Förderung überfordert viele Lehrer“, hieß es. Dem stimmte auch Ulrike Krug zu, die festhielt, dass „Lehrerinnen und Lehrer die Schlüsselgröße sind, aber oft mit dem Rücken zur Wand stehen“.

Ihr abschließender Hinweis daher: „Individuelle Förderung ist ein Strauß aus Elementen.“ Professor Hasselhorn pflichtete ihr bei und spezifizierte auch unter Bezug auf die Unterrichts- und Heterogenitätsforschung des DIPF, dass es für individuelle Förderung neben den wissenschaftlich fundierten Programmen und der entsprechenden Weiterqualifizierung der pädagogischen Fachkräfte auch ausreichender Ressourcen und eine gesamtheitliche Schulentwicklung brauche.

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zuletzt verändert: 04.03.2016