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DIPF in den Medien

Abgrenzung zur DDR

Warum sich die Ganztagsschule in Westdeutschland lange nicht durchgesetzt hat, erläutert Dr. Monika Mattes vom DIPF im Interview mit SWR2.

Als einen zentralen Grund für das fast vollständige Ausbleiben von einer ganztägigen Beschulung in Westdeutschland vor dem Fall des Eisernen Vorhangs nennt Monika Mattes „die Tatsache, dass mit der DDR ein zweiter deutscher Staat mit einem System der ganztägigen Bildung und Erziehung existierte. Daher war es für die Bundesrepublik aus Gründen der Legitimation notwendig, sich von diesem Modell abzugrenzen.“

Die Bildungshistorikerin, die an der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF arbeitet, zeichnet in dem Radiogespräch zudem nach, wie sich Ideen einer moderneren, demokratischeren Schule in der BRD nur langsam durchsetzen. Aber obwohl die Ganztagsschule mit der Zeit durchaus „pädagogisch befürwortet wurde, war sie gesellschaftspolitisch keine Option.“ Konkret bedeutete dies: Frauen sollten nicht erwerbstätig sein und daher wurde von dieser Seite kein Bedarf für eine ganztägige Betreuung von Schulkindern gesehen.

Erst nach dem sogenannten PISA-Schock zur Jahrtausendwende erhielt das Konzept der Ganztagsschule stärkere Unterstützung, so dass der Ausbau von ganztägigen Schulangeboten heute intensiv vorangetrieben wird.

zuletzt verändert: 07.10.2015