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DIPF in den Medien

„Bescheidene Effektivität“

Trotz der Schwemme an Gehirn-Jogging-Angeboten auf dem Markt: Es besteht bislang kaum wissenschaftliche Evidenz zu deren Wirksamkeit. Warum? Das schlüsselt Nature in einem aktuellen Artikel auf und hat dazu auch Professor Dr. Florian Schmiedek vom DIPF gefragt: Lässt sich das Gehirn trainieren?

Die Idee ist schon ziemlich alt: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts machten Angebote zum Training des Gehirns die Runde. Einfach ein paar Übungen und schon läuft das Denken schneller, so das Versprechen. Aber geht das überhaupt? Die Wissenschaft stellt sich diese Frage noch heute, kann sie aber abschließend weiterhin nicht beantworten. Das hat viele Gründe, wie Nature darlegt.

So gibt es zwar eine Menge Studien zu dem Thema, aber viele von Ihnen haben nur festgestellt, dass sich die Leistung bei einer Aufgabe verbessert, wenn man sie nur ausreichend trainiert. Das überrascht wenig. Interessanter wäre, wenn sich Effekte auf kognitive Fähigkeiten festhalten ließen, zum Beispiel eine größere Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses. Aber auch Studien zu diesem Thema sind oft nur bedingt aussagekräftig –  sei es wegen mangelhafter Abgleiche der getesteten Personen mit Kontrollgruppen oder weil die Studien sich auf einen bestimmten Messwert konzentriert haben. Dabei wäre es sinnvoller, die Entwicklung allgemeiner kognitiver Fähigkeiten in ihrer ganzen Komplexität zu überprüfen, was aber eine Fülle unterschiedlicher Messungen erfordert.

Angesichts der vielen methodischen Fragezeichen, die bei etlichen Studien zum Gehirn-Training festzuhalten sind, helfen derzeit auch Meta-Analysen der Forschungslandschaft noch wenig weiter. So hat Florian Schmiedek vom DIPF gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung festgestellt, dass nur ein minimaler Teil der untersuchten Forschungsarbeiten sich auf zugrundliegende Fähigkeiten konzentriert hat. Mit ernüchternden Ergebnissen, wie Schmiedek festhält: „Die wenigen Studien, die den notwendigen Aufwand betrieben haben, zeichnen ein eher bescheidenes Bild der Effektivität kognitiver Trainings.“

Der gesamte Artikel von Nature Brain training: Memory games

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zuletzt verändert: 04.03.2016