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DIPF in den Medien

„Leicht positive Tendenzenzen“

„Chancengerechtigkeit“ war das Thema einer Radiosendung von rbb Kultur. Zu Bildungsfragen in diesem Zusammenhang wurde dabei ein Interview mit Professor Dr. Kai Maaz vom DIPF geführt.

Kai Maaz erläuterte in dem Interview, welches direkt am Anfang der Sendung geführt wurde, dass die soziale Herkunft durchaus einen Einfluss auf den Bildungserwerb ausübe. Dabei seien vor allem zwei Bereiche betroffen, das Aneignen von Kompetenzen und die Bildungsbeteiligung, also beispielsweise der Zugang zu weiterführenden schulischen Einrichtungen wie dem Gymnasium.

Danach befragt, ob sich denn die Chancengerechtigkeit in Deutschland zuletzt eher verschlechtert habe, antwortete der Bildungsforscher, dass es nach wie vor einen großen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserwerb gebe, er aber zumindest für den Schulbereich „leicht positive Tendenzen“ sehe. Das ließe sich etwa an der Entwicklung von den Ergebnissen der Studie PISA 2000 zu den Ergebnissen von PISA 2009 feststellen. In diesem Zeitraum habe sich etwa das Leseverständnis der getesteten Schülerinnen und Schüler insgesamt verbessert, was insbesondere auf Verbesserungen von Kindern mit einem ungünstigeren sozialen Hintergrund zurückzuführen sei.

Als Begründung für diese Entwicklung verwies Maaz auf die Komplexität der Materie und dass diese Entwicklung im interaktiven Zusammenspiel zwischen verschiedenen Beteiligten wie den Lehrkräften und den Eltern angestoßen werde. Der Bildungspolitik attestierte er, dass versucht werde, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, „etwa durch eine Öffnung der Schulstrukturen“. Als ein Bespiel für Letzteres nannte der Bildungssoziologe, dass Schulformen von den vergebenen Zertifikaten entkoppelt worden seien.

Ob denn Chancengerechtigkeit ein utopisches Ziel sei, wurde er zum Abschluss befragt. Eine absolute Chancengerechtigkeit sei sicherlich nicht umzusetzen, so Maaz, denn Menschen seien nun einmal unterschiedlich. Ansonsten sei mehr Chancengerechtigkeit aber realisierbar, auch wenn er betonte: „Chancengerechtigkeit heißt ja nur gleiche Chancen, nicht gleiche Ergebnisse. Das ist utopisch.“

Im weiteren Verlauf der Sendung kam noch Wolf Dermann von Arbeiterkind.de ausgiebig zu Wort. Die Initiative bietet Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden, die in ihren Familien als erstes ein Hochschulstudium anstreben, Informationen und eine Plattform. Außerdem konnten verschiedene zugeschaltete Zuhörerinnen und Zuhörer Fragen stellen und Einschätzungen abgeben.

Die gesamte Sendung des rbb

zuletzt verändert: 25.02.2015