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DIPF in den Medien

"PISA-Tests nicht überschätzen"

Professor Eckhard Klieme gibt am Rande des Jahreskongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung der Thurgauer Zeitung ein Interview über seine eigene Schulzeit, guten Unterricht und neue Aufgaben für seine Forschungsrichtung.

Darin geht Klieme unter anderem auf seine eigenen Erfahrungen ein: Der Unterricht, den er selbst im Nachkriegsdeutschland kennengelernt habe, sei autoritär und von einer großen Distanz zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern geprägt gewesen. Dies sei heute anders und die Beziehungsqualität "ein wichtiger Punkt. Lehrer und Schüler sind nicht Freunde. Aber diese Beziehung muss man als echt wahrnehmen und ernst nehmen - mit Respekt und Anerkennung der individuellen Bedürfnisse der jungen Menschen".

Eine aktive Lehrerrolle spiele dabei eine Rolle - sei aber nicht allein Gelingensfaktor für guten Unterricht. Aufmerksamkeit bedürfe aber auch strukturellen Bedingungen, die unter anderem bei der international vergleichenden PISA-Studie der OECD erfasst werden, an der Klieme und seine Abteilung Bildungsqualität und Evaluation beteiligt sind. Auf die Frage, welche Erfolgsrezepte sich von PISA-Musterländern wie Finnland übertragen ließen, mahnt Klieme zur Vorsicht: "Man darf Pisa-Tests nicht überschätzen. Ich rate der Politik: 'Seid vorsichtig damit, Dinge von anderen Ländern zu übernehmen, nur weil diese in den Tests gut abgeschnitten haben.' Bildungsprozesse funktionieren unterschiedlich. Personalisiertes Lernen etwa bedeutet in einer kollektivistischen Kultur wie Asien etwas anderes als bei uns." Wichtig sei auch, dass PISA inzwischen auch nach sozialen und emotionalen Aspekten frage, beispielsweise der Lebenszufriedenheit und der Fähigkeit, das Lernen selber zu steuern."

Für die Zukunft der Bildungsforschung wünscht sich Klieme mehr "Bildungsforschung, die Neues erprobt. Das würde wirklich belastbare Aussagen über den Effekt einer Innovation bringen".

Das Interview ist am 30.06.2015 in der Thurgauer Zeitung erschienen.

zuletzt verändert: 16.07.2015