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Flüchtlinge brauchen schnellen Zugang zu Kitas, Schulen und Berufsausbildung

„Bildung ist der Schlüssel zur Integration", erklären Vertreter des Leibniz-Forschungsverbundes Bildungspotenziale.

Bildung ist das stärkste Mittel zur erfolgreichen Integration von Migranten. Deshalb müssen schneller Spracherwerb und Qualifikation im Zentrum der Bemühungen für die aktuellen Flüchtlinge stehen. „Der Erwerb der Sprache des Ziellandes und die Annäherung an seine Kultur gelingen am besten in frühkindlichen Einrichtungen und Schulen“, sagt Marcus Hasselhorn, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und Sprecher des Leibniz-Forschungsverbundes „Bildungspotenziale", der am heutigen Donnerstag ein Bildungspolitisches Forum in Berlin veranstaltet. „Die beste Chance auf eine erfolgreiche Integration haben wir, wenn die Flüchtlingskinder im frühen Alter Kitas und Kindergärten besuchen und dort regelmäßigen sprachlichen Austausch mit Kindern ohne Migrationshintergrund haben“, sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik und Organisator des Forums. Dies sei empirisch belegt.

Auch im Schulalter müssten Flüchtlingskinder so schnell wie möglich in den normalen Klassenverband integriert werden, so die Forscher. In Grundschulen sollte das sofort geschehen, bei weiterführenden Schulen möglicherweise nach einer kurzen Phase des gezielten Spracherwerbs. „Nach bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen ist es keine Option, die Schulpflicht für Flüchtlingskinder auszusetzen, wie es zuweilen diskutiert wird“, so Hasselhorn. Im Gegenteil, Flüchtlingskinder sollten spätestens mit drei Jahren in Kitas integriert werden.
Auch bei erwachsenen Flüchtlingen ist Bildung – also Sprache und Qualifikation – der entscheidende Punkt für eine Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Deshalb müsse die Klärung des Aufenthaltsstatus beschleunigt werden, damit Sprachkurse schnell und flächendeckend ansetzen können. „Bei der beruflichen Qualifikation dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben“, sagt Wößmann. Ein großer Teil der Flüchtlinge komme mit geringen Qualifikationen. „Deshalb brauchen wir jetzt pragmatische Lösungen, um möglichst vielen Flüchtlingen eine Chance auf eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“

Dazu gehöre die einjährige Aussetzung von Hemmnissen wie Wartefristen und Vorrang-Prüfungen und die Gleichsetzung von Flüchtlingen mit Langzeit-Arbeitslosen bei der Ausnahmeregelung vom Mindestlohn, damit Unternehmen bereit sind, Flüchtlinge einzustellen. Für junge erwachsene Flüchtlinge sollten ein- bis zweijährige teilqualifizierende Berufsausbildungen kurzfristig massiv ausgebaut werden. „Wir können nicht alle Flüchtlinge zu Mechatronikern ausbilden, aber für teilqualifizierte Landschaftsgärtner oder Helfer in der Alten- und Krankenpflege könnte es am deutschen Arbeitsmarkt viel Potenzial geben“, sagt Wößmann.

Die beiden Wissenschaftler gehören dem Leibniz-Forschungsverbund Bildungspotenziale an, der die multidisziplinären Fachkenntnisse in Bildungsfragen aus 15 Instituten der Leibniz-Gemeinschaft sowie weiteren Bildungsforschungseinrichtungen bündelt. Der Verbund veranstaltet am heutigen Donnerstag in Berlin das Bildungspolitische Forum zum Thema „Akzeptanz und Umsetzbarkeit von Bildungsreformen: Wie wir Bildungspotenziale ausschöpfen können.“

Kontakt

Prof. Dr. Ludger Wößmann, ifo Institut, +49 (0)89 9224-1699,  
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, DIPF, +49 (0)69 24708-214, hasselhorn@dipf.de

Presse:

Harald Schultz, ifo Institut, +49 (0)89 9224-1218,
Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123,

zuletzt verändert: 01.10.2015