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So lernen Kinder mit geringer Sprachkompetenz in Deutsch mehr

Welche individuelle Förderung hilft Kindern mit ungünstigen sprachlichen Voraussetzungen im Unterricht? Eine Studie des DIPF und der Goethe-Universität Frankfurt gibt Antwort.

In der öffentlichen Bildungsdebatte gilt es als ein zentrales Ziel, Schulkinder verstärkt individuell zu fördern. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass vor allem Kinder mit ungünstigen Lernvoraussetzungen von einem Unterricht profitieren, der auf die spezifischen Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler eingeht. Doch wie wirksam ist individuelle Förderung eigentlich? Eine Studie des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Goethe-Universität Frankfurt hat untersucht, wie sich konkrete Methoden individueller Förderung im Sachunterricht in der Grundschule auswirken – vor allem auf Kinder mit geringer Sprachkompetenz, was ein besonders großes Hindernis für Lernerfolge in naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern ist. Bei zwei Methoden kam das Forscherteam zu einem klaren Ergebnis: „Der Einsatz lernbegleitender Diagnostik und eine kognitive Strukturierung des Unterrichts führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler mit geringer Sprachkompetenz in Deutsch mehr lernen“, sagt Dr. Jasmin Decristan, eine der Studienleiterinnen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten zunächst mehr als 50 Lehrkräfte in verschiedenen Methoden individueller Förderung fortgebildet, die die Lehrerinnen und Lehrer anschließend im Unterricht zum Thema „Schwimmen und Sinken“ an hessischen Grundschulen einsetzten. Das Forschungsteam führte begleitend dazu Befragungen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte durch – ergänzt durch Unterrichtsbeobachtungen. Die Ergebnisse glichen sie mit einer Untersuchung von Schulkindern ab, die regulären Unterricht oder Unterricht mit kooperativen Lernformen erhielten. Dabei stellten die Forscherinnen und Forscher die positiven Lerneffekte der lernbegleitenden Diagnostik und der kognitiven Strukturierung bei Kindern mit geringer Sprachkompetenz fest. Im Unterricht mit lernbegleitender Diagnostik lernten sogar alle Schülerinnen und Schüler mehr. Lernbegleitende Diagnostik bedeutet, die Lernstände der Kinder regelmäßig zu erfassen und an sie rückzumelden. „Das Feedback sollte motivierend sein und nächste Schritte aufzeigen“, führt Dr. Decristan aus. Die Wissenschaftlerin erläutert weiterhin: „Die Methode der kognitiven Strukturierung soll die Aufmerksamkeit jedes Kindes auf wesentliche Inhalte lenken.“ Dazu dienen sprachliche Hinweise, die zum Nach- und Weiterdenken anregen, aber auch Bilder, die zum Beispiel das Prinzip von Schwimmen und Sinken verdeutlichen.

Die Studie erfolgte im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts IGEL, was für „Individuelle Förderung und adaptive Lern-Gelegenheiten in der Grundschule“ steht. Das Projekt untersucht seit 2010 Ausgestaltung, Einsatz und Wirkungen von Unterrichtsmethoden in diesem Feld. Geleitet wird IGEL von Prof. Dr. Eckhard Klieme und Dr. Jasmin Decristan (DIPF), Prof. Dr. Gerhard Büttner, Prof. Dr. Ilonca Hardy, Prof. Dr. Mareike Kunter und Prof. Dr. Armin Lühken (Goethe-Universität) sowie Prof. Dr. Silke Hertel (Universität Heidelberg)

Das Projekt ist Teil des Zentrums zur Erforschung kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse IDeA (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk).

IGEL und IDeA im Internet

Kontakt

Studie: Dr. Jasmin Decristan, DIPF +49 (0)69 24708-120,
Presse: Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123,

Pressemitteilung (pdf)

zuletzt verändert: 11.09.2014