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Vortrag zu Motivationsprozessen: "Wenn Hänschen nicht das Lernen lernt..."

14. November 2014. Nürnberg. Dr. Thomas Martens, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIPF, hält auf der Ausbildungskonferenz "Jeder braucht eine Ausbildung" vom Staatsministerium und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit den Eröffnungsvortrag und ist Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion. Auf der Tagung wird Motivation als Grundlage für neue Lernprozesse beleuchtet. Bewährte und innovative Beispiele aus der Praxis zeigen Ansätze, wie verschiedene Zielgruppen auf ihrem Weg Richtung Ausbildung unterstützt werden können.

Die vom Staatsministerium und von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit ausgerichtete Ausbildungskonferenz findet am 14. November 2014 von 9.30 bis 15.00 Uhr in Nürnberg statt.

Zur Website (Programm und Anmeldung) der Ausbildungskonferenz 2014:  „Jeder braucht eine Ausbildung“

Abstract zum Vortrag von Dr. Thomas Martens:
Motivationsprozesse im Jugend-und Erwachsenenalter: „Wenn Hänschen nicht das Lernen lernt…"

Der Vortrag von Thomas Martens versucht die Frage zu beantworten welche Motivationsprozesse für das lebenslange Lernen wichtig sind. Zunächst soll allerdings gefragt werden, warum Motivation überhaupt wichtig ist. Kann auch ohne Motivation gelernt werden? Ja – zumindest was Ausbildungsziele und Lernergebnisse betrifft. Aber diese Ergebnisse werden unter Umständen mit einem hohen persönlichen Lernaufwand und Zeitbedarf erreicht – es drohen negative Gefühle beim Lernen und eine hohe Abbruchquote. Außerdem kann das so erworbene Wissen schlechter behalten werden und ist sehr „träge“ in der Anwendung – kann also schlecht auf neue Lernkontexte übertragen werden. Das motivierte Lernen ist also von besonderer Wichtigkeit.

Wie kann also eine stabile Lernmotivation aufgebaut werden? Wie kann ein Lernender zum Lernhelden werden? Dazu müssen neurobiologische und lernpsychologische Grundlagen berücksichtigt werden. Insbesondere wichtig ist, dass der Lernende beim Lernen und Problemlösen schnell Lernfortschritte erzielen kann, eine Anpassung der eigenen Selbst- und Lernschemata eher langsam erfolgt. Dies bedeutet insbesondere, dass schnelle Lernerfolge nicht unmittelbar zu einer Modifikation des eigenen Selbstverständnisses führen. Besonders hartnäckig können negative Selbstschemata sein, die mit Misserfolgen in der Vergangenheit und den damit verknüpften negativen Gefühlen einhergehen.

Wichtig ist es deshalb, eine Balance zwischen kognitiven Lernfortschritten und den entsprechenden Selbstschemata herzustellen. Eine solche Ausbalancierung kann durch eine Reihe von Maßnahmen unterstützt werden. Es sollte etwa zu allen Phasen des Lernprozesses Wahlmöglichkeiten geben, insbesondere bei den Lerninhalten also auch bei den Lernmethoden. Der Lernende sollte außerdem Zeit für eine Reflexion haben,  in der er ohne äußeren Druck überlegen und fühlen kann, welche Inhalte und welche Lernmethoden besonders gut zu Ihm selber passen. Ein zu großer Leistungsdruck kann insbesondere verhindern, dass die entsprechenden Selbstschemata aktualisiert werden können. Darüber hinaus ist eine differenzierte inhaltliche Rückmeldung zu den persönlichen Lernfortschritten wichtig. Eine normative Einordnung dieses Lernfortschrittes ist nur bedingt erforderlich. Wichtig ist aber, diese individuellen Lernfortschritte durch äußere Zeichen sichtbar zu machen. Zusammen mit den inneren Signalen muss wiederum der Lernende diese Informationen zu seinem Lernfortschritt verarbeiten und fühlen und daraufhin in seine eigenen Selbstschemata integrieren.

Bei der anschließenden Diskussion "Lebenslanges Lernen: Verantwortung der Schule, des Einzelnen und der Gesellschaft" nehmen die nachfolgenden Experten teil:

  • Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
  • Prof. Eckart Severing, f-bb Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, Nürnberg
  • Brigitte Meyer, Vizepräsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes und Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern
  • Dr. Thomas Martens
zuletzt verändert: 04.11.2014