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Lesung: „Agenten – Patrioten – Westaufklärer. Stasi und APW der DDR“

Ulrich Wiegmann, Bildungshistoriker an der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, liest Dienstag, 9. Februar 2016, 18.30 Uhr, aus seinem neuen Buch über das Verhältnis von pädagogischer Wissenschaft zum Ministerium für Staatssicherheit. Die Lesung findet in der BBF statt.

Das Verhältnis von pädagogischer Wissenschaft und dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR ist bislang wenig beleuchtet worden. Um die Lücke zu schließen, hat Wiegmannsich auf die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften (APW) konzentriert und über rund anderthalb Jahrzehnte die im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde lagernden Akten von APW-Beschäftigten ausgewertet. „Von 700 überprüften Beschäftigten der APW-Zentrale in Berlin hatten sich rund 14 Prozent nachweislich zur Kooperation mit dem Ministerium für Staatssicherheit verpflichtet“, so Wiegmann.

Vorwiegend anhand überlieferter Akten dieser Inoffiziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IM) wurden ihre bislang unentdeckten geheimdienstlichen Geschichten erzählt. In der Summe kristallisieren sich Entwicklungsverläufe und institutionelle Zusammenhänge heraus, werden Strukturen sichtbar und charakteristische Milieus evident. Die Quellen dokumentieren, wie die pädagogischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rekrutiert wurden und welche Aufgaben sie im Vorborgenen zu erfüllen hatten. Sie geben Antworten auf die Fragen, wie die IM ihre wissenschaftliche Wahrheitssuche mit der geheimen Bindung an die Stasi zu vereinbaren versuchten und wie sie sich nach ihrer „Abschaltung“ im Zuge der Auflösung des DDR-Staatssicherheitsdienstes im Herbst 1989 verhielten. Die überlieferten Quellen verdeutlichen, mit welchen Gewissensnöten die inoffiziellen Stasimitarbeiter umzugehen gezwungen waren und in welchem Maße sie sich gegenüber Verwandten, Freunden und Kolleg(inne)n schuldig machten. Banales und Böses gelangt ans Licht, doch letzten Endes nichts, was der Banalität des Bösen (Hannah Arendt) auch nur nahe käme.

9. Februar, 18.30 bis 20.00 Uhr in der BBF, Warschauer Str. 34, 1. OG, Lesesaal. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

zuletzt verändert: 13.01.2016