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Veranstaltungen

Techniken der Prüfung? Verfahren des Wertens, Messens und Urteilens im „langen 19. Jahrhundert“

Berlin. 27.Februar 2015. Workshop der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung und der Technischen Universität Darmstadt

Der Workshop der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung ist zu klären, wie tragfähig die Rede von Techniken auf dem Gebiet theologischer, pädagogischer und psychologischer Prüfungsverfahren bzw. -praktiken ist.

Prüfungen markieren einerseits einen Kreuzungspunkt zwischen Theologie, Pädagogik und Psychologie. Andererseits ist das im 20. Jahrhundert sich rasch ausbreitende Prüfungswesen – in Schulen aber auch in vielen anderen Lebensbereichen als Tests und Evaluationen – heute noch von ungebrochener Relevanz.

Als Untersuchungszeitraum ist das lange neunzehntes Jahrhundert von 1780 bis 1920 angesetzt, um die wichtigsten Umbrüche einfangen zu können, die von pietistischen Praktiken der Selbstprüfung zur Entwicklung schulischer Prüfungen und zur Etablierung psychometrischer Testverfahren führen. In welchem Verhältnis der pädagogische Diskurs und schulische Prüfungsverfahren zu den Entwicklungen auf dem Gebiet der theologischen und psychologischen Prüfungsverfahren steht, ist eine offene Frage, deren Beantwortung der Workshop dienen soll.

Organisation:
Sabine Reh (BBF/Humboldt-Universität zu Berlin), Andreas Gelhard und Andreas Kaminski (TU Darmstadt)

Programm

Freitag, 27. Februar 2015

8.30 Uhr: Begrüßung & Beginn

Systematische Fragen

Techniken der Prüfung – eine systematische Perspektive
Norbert Ricken

Techniken der Subjektivierung?
Christoph Hubig

Psychometrische Prüfungstechniken – des Alltagslebens.
Andreas Kaminski

10.15 – 10.45 Uhr: Pause

Schule

Wie kommt Wissen in die Prüfung? Zum Unterschied zwischen Latein- und Mathematikprüfungen im frühen 19. Jahrhundert.
Kerrin Klinger

Definition und Praktiken der Abiturprüfung im gesellschaftlichen Wandel: 1788 – 1812 – 1834 – 1926.
Frank Tosch/Joachim Scholz

Der deutsche Abituraufsatz: „Gesammtbildung der Examinanden“ und Repräsentationen schulischen Wissens zwischen 1834 und 1926. Schülertexte, Lehrerkommentare und Prüfungspraktiken.
Michael Kämper-van den Boogaart/Sabine Reh

12.30 – 13.30 Uhr: Mittagspause

Persönlichkeit oder Wissenschaftsbasierung? Einfluss, Übernahme und Subversion von Ausbildungspraktiken in (Wahl-)Fähigkeitsprüfungen der zürcherischen Lehrpersonen für die Volksschule am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Andreas Hoffmann-Ocon

Pietistische Prüfungstechniken? Einige Überlegungen mit Max Weber und Michel Foucault.
Andreas Gelhard

Kranke Körper, kranke Seelen in der Schule. Pädagogik, Medizin und Psychiatrie um 1900.
Patrick Bühler

15.00 – 15.15 Uhr: Pause

Psychologie / Medizin

Der Streber. Das moderne Prüfwesen und die Genese einer devianten Sozialfigur im 19. Jahrhundert.
Nina Verheyen

Von der Arztethik zur Bioethik.
Petra Gehring

Maßloses Trinken. Messungen und Wertungen von Trinkgewohnheiten durch die Abstinenzbewegungen um 1900.
Andrea De Vincenti/Norbert Grube

16.45 – 17.00 Uhr: Pause

Von Zeitspannen und affektiven Reaktionen. Mechanische und vitalistische Zeitkonzeptionen in Wissenschaft und Kunst am Ende des 19. Jahrhunderts.
Marie-Luise Angerer

Ist die Umwertung der Affekte institutionalisierbar? Ansprüche und Grenzen lebensphilosophischer Prüfkriterien.
Bernd Bösel

18.00 Uhr: Tagungsende

Anmerkungen zum Vor- und Ablauf

Die bis zum 15.02.2015 einzusendenden Thesenpapiere haben einen Umfang von drei bis fünf Seiten.

Im Workshop sind 10 Minuten Darstellung des jeweiligen Thesenpapiers vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt auf der Diskussion.

Kontakt:

Dr. Kathrin Berdelmann (E-Mail:)

zuletzt verändert: 12.02.2015