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Projekte

Soziale Netzwerke von Nachwuchswissenschaftler/innen in der empirischen Bildungsforschung

Das Dissertationsvorhaben untersucht, wie Nachwuchswissenschaftler/-innen ihre sozialen Netzwerke für ihre Qualifikation und berufliche Entwicklung nutzen.

Projektbeschreibung

Theoretischer Hintergrund

Soziale Beziehungen vermitteln den Zugang zu Ressourcen, wie z.B. Informationen, Wissen, Unterstützung und Kooperationen. Bei der Untersuchung von Wissensdistribution und Lernkontexten beziehe ich mich auf theoretische Ansätze des Sozialkapitals (Bourdieu) und des situierten Lernens („communities of practice“ von Lave & Wenger). Diese Theorien, in deren Zentrum soziale Netzwerke stehen, beschäftigen sich mit dem Informationsaustausch und der Kommunikation zwischen Akteuren, ihrem Zugang zu Ressourcen und deren Verteilung. Die Analyse richtet sich auf den Einfluss von Netzwerkformen, Sozialkapital und sozialer Unterstützung auf den beruflichen Werdegang.

Zentrale Fragestellungen

Die Bedeutung sozialer Netzwerke zur Nachwuchsqualifikation untersuche ich am Beispiel von ehemaligen Doktorand/innen eines sechsjährigen Forschungsprogramms in der empirischen Bildungsforschung in Deutschland.

  • Die Netzwerkgestalt: Welche Gestalt haben die Netzwerke von Nachwuchswissenschaftler/innen? Wie nutzen sie ihre Netzwerke zum Wissenserwerb und Lernen?
  • Das Forschungsnetzwerk: Welche Unterstützung erhalten die ehemaligen Doktorand/innen durch die Mitgliedschaft im Forschungsprogramm? Wie bilden sich Netzwerke durch die Teilnahme an Veranstaltungen? Mit wem vernetzen sich Nachwuchswissenschaftler/innen – untereinander und auch mit erfahrenen Expert/innen?
  • Der berufliche Werdegang: Wie hängen die Netzwerkgestalt und Unterstützungen durch das Forschungsprogramm mit dem weiteren beruflichen Werdegang zusammen? Welchen Einfluss hat das Sozialkapital auf die erreichte berufliche Position?

Methodisches Vorgehen

Die Methode der sozialen Netzwerkanalyse wird für diese Studie verwendet. Zur ego-zentrierten Analyse der sozialen Netzwerke ehemaliger Doktorand/innen werden Daten über ihren beruflichen Werdegang und ihre wissenschaftlichen Aktivitäten erhoben.
Das Projekt umfasst eine quantitative Teilstudie zur Datenauswertung von gemeinsamen Publikationen und Forschungskooperationen (s.u., Kenk 2012) sowie eine qualitative Studie mit Befragungen ca. 30 ehemaliger Doktorand/innen, bei denen Netzwerkkarten mit der Software Vennmaker erstellt werden. 

Ziele und Ergebnisse

Ziel der explorativen Untersuchung ist es, die Potentiale sozialer Netzwerke für das informelle Lernen in der Qualifikationsphase und den beruflichen Werdegang zu analysieren. Die Dissertation soll zum erziehungswissenschaftliche Erkenntnisgewinn beitragen, indem das Verständnis, wie soziale Ressourcen für informelle Lernprozesse in sozialen Netzwerken genutzt werden, erweitert wird. Zusätzlich werden die theoretischen Ansätze mit einer Methode empirischer Sozialforschung geprüft, die in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung bisher wenig angewandt wird. Zur Förderung von Nachwuchswissenschaftler/innen können diese Erkenntnisse genutzt werden, um zu einer umfassenden Qualifizierung beizutragen, die über fachlich-methodische Weiterbildungen hinausgeht.

Die quantitative Teilstudie über die Publikations- und Forschungsnetzwerke der Nachwuchswissenschaftler/innen ist abgeschlossen. In einem Sammelwerksbeitrag (Kenk 2012) werden ausgewählte Ergebnisse vorgestellt. Die Visualisierung verknüpft persönliche und berufliche Merkmale mit ihren Netzwerken. Es wird der Frage nachgegangen, welche Typen von Netzwerken, Formen von Lernumfeldern und berufliche Entwicklungen sich im Kontext des Forschungsprogramms aus der grafischen Darstellung ablesen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl enge Betreuungsverhältnisse wie auch „communities of practice“ finden und die Netzwerktypen sich im Verlauf der Karriere wandeln.

Die persönlichen Befragungen zur Erhebung sozialer Unterstützungsnetzwerke während der Promotionsphase wurden im ersten Halbjahr 2013 durchgeführt. Mit Hilfe der Software Vennmaker konnten die Netzwerkkarten computergestützt erstellt und die Gespräche parallel aufgezeichnet werden (s. auch Projektflyer).

Publikationen

Die Dissertation wird von Prof. Eckhard Klieme am DIPF betreut und ist seit Juni 2010 im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt angenommen.

Weitere Informationen

 

Projektleitung

Eckhard Klieme

Projektdaten

Status:
Abgeschlossene Projekte
Projektart: Dissertations-/Habilitationsprojekte
Laufzeit:
2010-2014
Abteilung: Bildungsqualität und Evaluation
zuletzt verändert: 27.11.2015