BÄRENstark! – Arbeitsgedächtniskompetenzen bei Lernschwierigkeiten

Bärenstark Benni DaumenHintergrund

Das Projekt BÄRENstark! untersucht die Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses von Grundschulkindern mit verschiedenen Lernschwierigkeiten. Im Fokus stehen Lernschwächen im Bereich der Schriftsprache (Lesen und/oder Rechtschreiben), im Rechnen sowie Lernschwächen, die beide Bereiche gleichzeitig betreffen. Oftmals lässt sich nicht erklären, was die Ursachen für die Lernschwierigkeiten sind, da die Kinder zumindest zu Beginn des Fertigkeitenerwerbs zum Lernen motiviert sind und in anderen schulischen und nicht-schulischen Bereichen gute Lernergebnisse erzielen. In der Tat kann es zu Lernschwierigkeiten kommen, obwohl die Kinder allgemein begabt sind. Eine mögliche Ursache der Lernschwierigkeiten kann in der zugrundeliegenden Verarbeitung von Informationen liegen. So findet man beispielsweise, dass betroffene Kinder Besonderheiten im Arbeitsgedächtnis aufweisen.

Was ist das Arbeitsgedächtnis?

Das Arbeitsgedächtnis ist ein Kurzzeitgedächtnis, das klanglich-sprachliche und visuell-räumliche Informationen für wenige Sekunden im Bewusstsein aufrecht hält, damit die Informationen verarbeitet und verstanden werden können. Das ist für das Lesen und Schreiben wichtig, weil dabei klanglich-sprachliche Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Das Arbeitsgedächtnis ermöglicht es uns beispielsweise, die Wörter eines gelesenen Satzes vorübergehend zu speichern und miteinander in Beziehung zu setzen, um den Textinhalt verstehen zu können.  Beim Rechnen kommt durch das Arbeiten mit Mengen und Raumvorstellungen noch eine visuell-räumliche Verarbeitungsanforderung hinzu. Wenn Informationen ungenau im Arbeitsgedächtnis eingespeichert werden oder vorschnell zerfallen, erschwert dies das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen.

 

Fragestellung

Wissenschaftliche Studien haben gefunden, dass Kinder mit Lernschwierigkeiten geringere Speicherkapazitäten in bestimmten Bereichen des Arbeitsgedächtnisses aufweisen. Unklar ist dabei, inwieweit dies die Lernschwierigkeiten verursacht. Um das Zusammenspiel von Arbeitsgedächtnis- und Schulleistungen besser zu verstehen, untersuchen wir, wie sich das Arbeitsgedächtnis über die Zeit entwickelt und wie diese Veränderungen mit der schulischen Leistungsentwicklung zusammenhängen. Dabei ist nicht nur von Interesse, welche Arbeitsgedächtnisbereiche beeinträchtigt sind, sondern auch, in welchen Teilbereichen die Entwicklung normal verläuft oder sogar Stärken vorliegen. So gibt es Studien, die bereits gefunden haben, dass sich Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche besonders gut visuelle Bilder einprägen können. Daher möchten wir der Frage nachgehen, ob es für die verschiedenen Lernschwächen typische Arbeitsgedächtnis-Profile gibt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen lassen sich zukünftig Fördermaßnahmen entwickeln.

 

Ziele des Projektes

Das Ziel des Projektes BÄRENstark! ist es, den Ursachen von Lernschwierigkeiten näher zu kommen, um Lernschwächen besser verstehen und erkennen zu können. Das Wissen über die spezifischen Besonderheiten im Arbeitsgedächtnis ermöglicht eine eindeutigere Diagnostik von Lernschwierigkeiten: Voneinander abzugrenzen sind Lernschwierigkeiten, die wider Erwarten auftreten und solche, die offenkundig erklärbar sind. Zu diesen erklärbaren Minderleistungen zählen Leistungsschwierigkeiten, die auf geringen Sprachkenntnissen, emotionalen oder motivationalen Faktoren beruhen. Hier führt eine Veränderung der Umstände zu einer verbesserten Lernleistung. Es gibt aber auch Lernschwierigkeiten, die wider Erwarten auftreten, anhaltend und schwer beeinflussbar sind. Hier könnten Besonderheiten im Arbeitsgedächtnis ursächlich sein. Eine Arbeitsgedächtnis-Diagnostik kann dabei helfen zu verstehen, warum ein Kind Lernschwierigkeiten zeigt. 

 

Relevanz für zukünftige Forschung und Praxis

Die Kenntnis der Stärken und Schwächen in den verschiedenen Arbeitsgedächtniskomponenten bei Kindern mit Lernschwierigkeiten kann für die Entwicklung neuer Förderungsansätze genutzt werden. Der Erwerb des Lesens, Schreibens und Rechnens könnte dadurch erleichtert werden, dass die Lehrmaterialien die betroffenen Arbeitsgedächtnisbereiche weniger beanspruchen und die Stärken im Arbeitsgedächtnis ansprechen, um das Lernen zu erleichtern. Es gibt auch Hinweise dafür, dass das Arbeitsgedächtnis selbst trainiert werden kann: Erste wissenschaftliche Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass ein Training des Arbeitsgedächtnisses sich in einer verbesserten schulischen Leistung niederschlagen kann. 

 

Finanzierung

BÄRENstark! wird vom Bundesministerium für Bildungsforschung (BMBF) über eine Laufzeit von zunächst drei Jahren gefördert.

 

Kooperationspartner

Goethe Universität Frankfurt am Main, Institut für Psychologie
Prof. Dr. Gerhard Büttner
Julia Klesczewski

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Pädagogik
Prof. Dr. Dietmar Grube
Claudia Schmidt

Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Psychologie
Prof. Dr. Claudia Mähler
Dr. Kirsten Schuchardt
Christina Balke

Status
  • laufend
Laufzeit
2011 bis 2013
Arbeitseinheit
Bildung und Entwicklung
Projektleitung
Marcus Hasselhorn
Kontakt
Anne Fischbach
Mitarbeit
Janin Brandenburg
Anne Fischbach