Das Dissertationsprojekt hat seinen Ausgangspunkt im EU-Projekt „The development of active cititzenship on the basis of informal learning at school“ (INFCIV). Ziel des Projekts war die Rekonstruktion des informellen Kontextes von Schulen und die Identifizierung von Lerngelegenheiten für demokratische Kompetenzen hierin. Zu diesem Zweck wurden auf der Basis semi-strukturierter Gruppen- und Einzelinterviews Fallstudien von sechs Schulen erstellt, deren Gegenstand die Beschreibung dominanter Aspekte der jeweiligen Schulkultur ist.
Die Arbeit führt die Analyse der Daten des deutschen Beitrages zu INFCIV mit einem fokussierteren Schwerpunkt weiter: die Deutungen von Lehrern und Lehrerinnen werden hinsichtlich ihrer eigenen Handlungspotentiale und –normen für demokratische Bildung an Schulen rekonstruiert. Diese Analysen erfolgen im Rahmen eines rekonstruktiv verfahrenden sozialwissenschaftlichen Paradigmas. Die Methoden der Datenerhebung und –auswertung sind daher qualitative.
Diese als ‚Handlungsorientierung’ charakterisierbaren Deutungen der Lehrer/innen werden als Teil ihrer Berufsmoral verstanden. Es wird geprüft, wie sich die Verbindungen von Deutungen und Erwartungen der Lehrer/innen mit den jeweiligen schulkulturellen Kontexten darstellen. Die Beschreibungen der Schulkulturen waren Gegenstand des Projektes und liegen in Form von Fallstudien vor. Schließlich werden die Lehrerdeutungen zu den Debatten über das Mandat der Lehrer/innen und die daran jeweils gebundenen institutionellen und individuellen Voraussetzungen, die in diesem Kontext diskutiert werden, in Beziehung gesetzt.
Die Arbeit soll damit einen Beitrag zur Analyse der normativen Grundlagen schulischer Beziehungen, in deren Zentrum Lehrer/innen stehen, liefern. Sie kann zur Bestimmung der Voraussetzungen einerseits der Demokratisierung schulischer Bildung und andererseits der Bildung für die Demokratie an Schulen klärend beitragen.
