Im Rahmen der Indikatorenforschung werden von den an der Bildungsberichterstattung beteiligten Institutionen mehrere Forschungsvorhaben durchgeführt, die (a) der wissenschaftlichen Klärung von Grundsatzfragen der Bildungsberichterstattung und des Indikatorenansatzes dienen, (b) dazu beitragen, Indikatoren weiter zu entwickeln bzw. neue zu konzipieren, sowie (c) empirische Zusammenhänge zwischen einzelnen Indikatoren verschiedener Dimensionen zu untersuchen.
Am DIPF werden derzeit in diesem Zusammenhang folgende Schwerpunkte der Indikatorenforschung gesetzt:
Für die Weiterentwicklung des Indikatorenkonzepts, das der nationalen Bildungsberichterstattung zugrunde liegt, und um die internationale Anschlussfähigkeit der Bildungsberichterstattung zu gewährleisten, ist eine systematische Berücksichtigung internationaler Entwicklungen im Bereich des Bildungsmonitoring erforderlich. Im Rahmen vergleichender Analysen wird die Berichtspraxis der OECD, der Europäischen Kommission sowie einzelner Staaten (USA, Kanada, Japan, Schweden, Frankreich, Schweiz, Österreich) nach den folgenden Aspekten untersucht: 1. Einordnung der Bildungsberichterstattung in das Gesamtsystem des Bildungsmonitorings; 2. Berichtsaufbau und -struktur; 3. Indikatorenverständnis; 4. Konstruktion des Indikatorensystems und Rhythmisierung der Indikatoren; 5. Prozessindikatoren; 6. Indikatoren zu Outcomes; 7. Indikatoren bzw. Textteile zu sozial-kommunikativen Kompetenzen; 8. Indikatoren zum Umgang mit Behinderungen; 9. Kriterien für Datenquellen/-qualität; 10. Umgang mit Forschungsbefunden.
Die bisher vorliegenden Bildungsberichte stellen keine expliziten Befunde zu pädagogischen Prozessen dar. Wenn das Indikatorentableau eines Bildungsberichts die zentralen Steuerungsparameter abbilden soll, müssen solche vermittelnden Faktoren berücksichtigt werden. In Absprache mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) wurden im Rahmen der Standardüberprüfung 2009 Aspekte der Qualität pädagogischer Prozesse erfasst, die indikatorengestützt über Bildungseinrichtungen hinweg vergleichbar dargestellt werden sollen und von denen sich erwarten lässt, dass sie durch systematische Entwicklungsmaßnahmen (z.B. durch gezieltes Lehrertraining oder Schulentwicklungsmaßnahmen) beeinflussbar sind. In einem ersten Zugriff werden erprobte Skalen aus Schülerbefragungen von Surveys und internationalen Vergleichsstudien wie PIRLS/IGLU oder PISA (z.B. Disziplin und Störungsfreiheit in Unterrichtssituationen, Unterstützungsverhalten von Lehrkräften) als Indikator für Prozessqualität an allgemeinbildenden Schulen auf ihre Nutzbarkeit geprüft. Es soll im Rahmen der Indikatorenforschung eine Systematik zu den bestehenden Skalen erarbeitet und deren jeweilige Konstruktangemessenheit sowie Messgüte ausgewertet werden.
Die Gestaltung von Bildungsprozessen in Schule und Unterricht - und damit die Qualitätsentwicklung im Schulsystem - wird insbesondere durch die individuelle Professionalität der Lehrkräfte geprägt. Angesichts der defizitären Datenlage zu den professionellen Kompetenzen von Lehrkräften bleiben indikatorengestützte Informationen zum Personal bislang auf dessen Zusammensetzung nach den Merkmalen Alter, Geschlecht, Beschäftigungsumfang und Lehrbefähigung beschränkt. Das Projekt geht der Frage nach, welche Aspekte der Lehrerprofessionalisierung im Gesamtvolumen der Lehrertätigkeit operationaliserbar und indikatorengestützt darstellbar sind. Auf Basis ergänzender Untersuchungsinstrumente, die im Rahmen der Standardüberprüfung 2009 durch das IQB eingesetzt wurden, sollen die folgenden drei fächerübergreifenden Aspekte der Lehrerprofessionalisierung indikatorisiert werden: 1. Institutionelle und informelle Fortbildungsaktivitäten; 2. Aktivitäten zur Vorbereitung und Wahrnehmung von Verantwortlichkeiten im Rahmen von Schulentwicklung sowie von Klassen- und Schulmanagement; 3. Beratungsaufgaben und Beratungskompetenz.
Bisherige Abschlussindikatoren stützen sich in der Regel auf schulstatistische Summendaten, d.h. hoch aggregierte Merkmalsinformationen in Form univariater Tabellen, die je nach Bundesland und statistischer Publikationsreihe variieren. Damit ergibt sich eine sehr unterschiedliche Datenverfügbarkeit je nachdem, ob die System-, Regional- oder Institutionenebene analytische Bezugseinheit ist. Mit dem von der KMK beschlossenen „Kerndatensatz für schulstatistische Individualdaten der Länder“ steht künftig eine Vielzahl von schüler-, lehrer- und einrichtungsbezogenen Merkmalen in verknüpfbaren Einzeldatensätzen zur Verfügung. Ziel des Projektes ist es, die Chancen und Grenzen dieser Statistik auf Indikatorenansätze zu Schulabschlüssen zu untersuchen. Durch die Analyse des Zusammenspiels von personenbezogenen, einzelschulischen und regionalen Hintergrundmerkmalen sollen differenzierte Informationen zum Abschlusserwerb gewonnen werden.
Die flankierenden Forschungsarbeiten des DIPF und seiner Kooperationspartner werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Für den Förderungszeitraum 2007–2008 wurde bereits eine erste Bilanz vorgelegt ("Indikatorenentwicklung für den nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“. Grundlagen, Ergebnisse, Perspektiven", BMBF 2010).
