Lehren und Lernen als kulturelle Begegnung

Die menschliche Entwicklung findet stets in einer kulturell vorgeformten Welt statt – Kinder wachsen quasi in den kulturellen Skripten anderer Personen auf. Es entstehen kulturgebundene, meist nicht reflektierte Vorstellungen über die eigenen Intentionen, Handlungen, Überzeugungen und Wünsche sowie die anderer Personen (theory of mind, common sense theories), die zu inhärenten Bestandteilen von Deutungs- und Handlungsmustern werden. Vor diesem Hintergrund findet Lehren und Lernen stets als kulturelle Begegnung in einem sozialen, intersubjektiven Kontext statt. Im schulischen Kontext sind es insbesondere die Vorstellungen der Lehrenden und der Lernenden, ihr Wissen und ihre Überzeugungen, die aufeinander treffen. Sie werden in Lehr-Lernprozessen implizit sowie explizit vermittelt und beeinflussen die Verstehensprozesse.

Das Forschungsprojekt "Lehren und Lernen als kulturelle Begegnung (meeting of minds): Analyse von Schüler- und Lehrervorstellungen als Grundlage sozial-kognitiver Entwicklung" konzentriert sich zunächst auf die subjektiven Überzeugungen von Lehrern: ihre Vorstellungen über fördernde und hemmende Bedingungen für Entwicklung, über Bedeutung und Optimierung von Erziehung und Bildung im Entwicklungsverlauf sowie im Bereich epistemologischer Vorstellungen. Inwieweit diese Vorstellungen mit sogenannten "wissenschaftlichem Wissen" korrespondieren, soll geprüft werden. Generell wird angenommen, dass sich komplexere, "reifere" epistemologische Überzeugungen über das Wesen von Erkenntnissen und des Erkenntniserwerbs positiv auf die Art der Reflektions- und Denkprozesse sowie die Lehr-Lernstrategien und folglich Leistungen auswirken, aber selbst bei Erwachsenen wird die vermeintlich komplexeste Entwicklungsebene nur recht selten festgestellt. Für die Konzeption von Lehreraus- und -fortbildungsprogrammen dürfte dies von entscheidender Bedeutung sein.

Status
  • laufend
Arbeitseinheit
Bildung und Entwicklung
Projektleitung
Ingrid Plath