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DIPF in den Medien

Der Leistung auf der Spur

BR2 zeichnet die Entwicklung der Leistungsgesellschaft nach – mit Einschätzungen von Prof. Dr. Sabine Reh.

Dem Prinzip der Leistung ist heute nur noch schwer zu entkommen. Zum einen versprechen individuelle Anstrengungen Erfolg, zum anderen berichten immer mehr Menschen von einem zu hohen Leistungsdruck und klagen über Burn-Out-Symptome. Wie konnte die Leistung einen so zentralen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen? Diese Frage betrachtet der Radio-Beitrag mit vielen Einschätzungen von Geschichtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Sabine Reh vom DIPF betont dabei  (ab Minute 7:50) die wichtige Rolle der Schule. Sie legt dar, wie die Versuchsschulen des 18. Jahrhunderts von den Jesuiten das System von Prüfungen und Wettkampf in den Schulen übernommen haben. Da wurden dann Punkte dafür vergeben, „dass jemand fleißig ist, dass jemand sich tugendhaft verhält“, so Reh. Von da aus sei es nicht mehr weit zu Noten und zu standardisierten Prüfungen wie dem Abitur gewesen, so die Bildungshistorikerin.

Neben der Schule haben aber noch viele weitere Entwicklungen das Leistungsprinzip befördert – wie weitere Fachleute in dem Beitrag darlegen: Die Aufklärung, die das herrschende Prinzip einer gottgefügten Ordnung hinterfragte, die Industrialisierung, die auch den Menschen stärker mechanischen und ökonomischen Zwängen unterwarf, und schließlich der sich komplett durchsetzende Kapitalismus mit seinem Konkurrenzprinzip, aber auch dem Versprechen, für Leistungen belohnt zu werden. An dieser Stelle stehen wir heute noch, wie Sabine Reh schließt: „Diese Grundfrage von Leistung, dieses das liegt in meiner Hand, das ist für uns selbstverständlich.“

Der gesamte Beitrag von Radio Wissen auf BR2

Professorin Dr. Sabine Reh ist wissenschaftliche Leiterin der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des DIPF und Professorin für Historische Bildungsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

zuletzt verändert: 05.10.2017