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Autor:
Weyers, Stefan:

Titel:
Delinquenz, soziale Herkunft, Bildung und Moral.
Eine Studie zur moralischen Entwicklung jugendlicher Straffälliger.

Quelle:
In: Neue Praxis, 32 (2002) 6 , S. 532-556

Sprache:
Deutsch

Dokumenttyp:
Zeitschriftenaufsatz; Zeitschriftenaufsatz/referiert,statusäquivalent

Schlagwörter:
Eltern, Sozialisation, Moralische Erziehung, Jugendlicher, Jugendkriminalität, Soziale Herkunft, Bildung


Abstract:
Kann Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung einen Beitrag zum Verständnis jugendlicher Delinquenz leisten? Anhand einer Zufallsstichprobe von 30 inhaftierten männlichen Straftätern wurden Kohlbergs kriminologische Annahmen und dieBedeutung sozialer Anregungsbedingungen für die Entwicklung des moralischen Urteils untersucht. Die straffälligen Jugendlichen weisen moderate Entwicklungsverzögerungen auf, sie urteilen jedoch - entgegen der Hypothese Kohlbergs - überwiegend nicht auf den niedrigen, präkonventionellen Moralstufen. Es zeigt sich auch keine Beziehung zwischen der Moralstufe und der Schwere der Tat. Dagegen wird die Bedeutung von Bildungserfahrungen und strukturellen Bedingungen der sozialen Herkunft für die Entwicklung des moralischen Urteils eindrücklich bestätigt. Dies gilt für die soziale Schicht, das Familiensystem und insbesondere die Schulbildung. Die Ergebnisse werden unter Einbeziehung weiterer Befunde diskutiert; dabei wird die Ambivalenz vieler Straftäter gegenüber moralischen Normen betont. Es wird die These vertreten, dass für das Begehen oder Unterlassen von Straftaten weniger moralkognitive Kompetenzen, als vielmehr Prozesse der Aufrechterhaltung der (moralischen) Identität von Bedeutung sind.

Abstract(englisch):
Does Kohlberg's theory of moral development contribute to understanding juvenile delinquency? The criminological assumptions of Kohlberg and the relevance of social environmental conditions for the development of moral judgment werestudied with a random sample of 30 imprisoned delinquent males. The criminal offenders show moderate developmental delays, but predominantly their moral judgments are not on the low pre-conventional moral stages as Kohlberg hypothesized. A relation between moral stage and the seriousness of offences could also not be found. However, the results clearly indicate the importance of structural conditions of social origin (class; family system) and particularly of school education for the development of moral reasoning. The findings, including other results are discussed, especially emphasizing the ambivalent attitude of many criminal offenders toward moral norms. It is argued that with regard to committing or not- committing criminal offences processes of maintaining the (moral) identity are more important than moral-cognitive stages.


DIPF-Abteilung:
Bildung und Kultur

Notizen:

zuletzt verändert: 11.11.2016