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Autor:
Weyers, Stefan:

Titel:
"Haben" und "Gehören", "Leihen" und "Tauschen", "Wegnehmen" und "Klauen".
Eine Fallstudie zur Entwicklung von Besitz- und Eigentumsnormen im Vorschulalter.

Quelle:
In: Dölling, Dieter (Hrsg.): Jus humanum. Grundlagen des Rechts und Strafrechts. Festschrift für Ernst-Joachim Lampe zum 70. Geburtstag. Berlin : Duncker u. Humblot (2003) , S. 107-137

Sprache:
Deutsch

Dokumenttyp:
Monographieauszug; Sammelwerk/Sonstiges

Schlagwörter:
Vorschulkind, Soziale Entwicklung, Fallstudie


Abstract:
Der Beitrag richtet sich auf einen spezifischen Ausschnitt der Normenentwicklung: auf die Herausbildung von Besitz- und Eigentumsnormen in der frühen Kindheit und im Vorschulalter. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Fallstudie, vorwiegend um alltägliche Beobachtungen und Befragungen eines Kindes im familiären Kontext. Der Untersuchungszeitraum reicht von 1Ÿ Jahren bis zum 5. Geburtstag, umfasst also etwas mehr als drei Jahre. Der kontinuierliche Längsschnitt ermöglicht eine dichte Erfassung individueller Entwicklungsprozesse. Ergänzt wird die Studie durch Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur Entwicklung von Vorformen von Rechtsnormen. Referiert werden zunächst Befunde zur frühen Herausbildung von Besitz- und Eigentumsnormen, dann zum Transfer von Objekten (Schenkung, Leihe, Tausch) und schließlich zu Verletzungen der Eigentumsnorm (Wegnehmen, Klauen): Bereits im 2.-3. Lebensjahr beginnen Kinder zu verstehen, dass der Erwerb, Besitz und Transfer von Objekten sozialen Regeln unterliegt und dass Regelverletzungen missbilligt werden. In der sozialen Interaktion bilden sich u.a. einige Regeln der Priorität von objektbezogenen Ansprüchen heraus: In Konfliktsituationen zählen die älteren Ansprüche. Sie gelten zunächst für den früheren Besitz von Objekten und für Orte, die man besetzt. Bei Vorschulkindern gilt auch das frühere Erheben von Besitzansprüchen, zudem gibt es hier ein Recht des früheren Eigentümers, etwa beim Tausch. Bei Schulkindern ist die Eigentumsübertragung dann stabil, doch erst 10-12-Jährige verstehen diese Vorgänge angemessen.

Abstract(englisch):
The article focuses on a specific field of the development of norms: The emergence of possession and property norms in early childhood and preschool age. The study is primarily based on one case and includes everyday observations of and questions to a child in the family environment. The examination spans a period of more than three years: from age 1;9 to the fifth birthday. This form of continuous longitudinal observation enables the intensive analysis ofindividual developmental processes. In addition the study refers to results of a research project that aims at the development of early forms of legal norms. Findings are presented concerning the following issues: The early emergence of possession and property norms, the transfer of objects (donation, lending, exchange), and finally the transgressions of possession and property norms (taking away, stealing). Children aged between one and two already beginto understand that the acquisition, possession and transfer of objects is subject to social rules and that transgressions are disapproved of. Some rules of priority with respect to object-related claims emerge in the social interaction: In conflict situations the prior claims are crucial. In early childhood such claims refer to the prior possession of objects and to places occupied. Children of preschool age are also aware of prior assertions of possession claims, furthermore a right of the prior owner exists in this respect, for instance in case of exchange. At school age understanding the transfer of property is stable, but only between 10 and 12 years of age children adequatelyunderstand these transactions.


DIPF-Abteilung:
Bildung und Kultur

Notizen:

last modified Nov 11, 2016