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Autor:
Breit, Heiko; Eckensberger, Lutz H.:

Titel:
Die Faktizität des Normenbewusstseins.
Eine entwicklungspsychologische Perspektive.

Quelle:
In: Lütke, C.; Vollmer, G. (Hrsg.): Fakten statt Normen? Zur Rolle einzelwissenschaftlicher Argumente in einer naturalistischen Ethik. Baden-Baden : Nomos Verl.-Ges. (2004) , pp. 207-224

Sprache:
Deutsch

Dokumenttyp:
Monographieauszug; Sammelwerk/Sonstiges

Schlagwörter:
Psychologische Forschung, Entwicklungspsychologie, Normen, Bewußtsein


Abstract:
Unser gängiges Wissenschaftsideal fordert, den Generierungsprozess von Fakten von Wertungen frei zu halten. Betrachtet man allerdings die gegenwärtige öffentliche Diskussion über wissenschaftliche Ergebnisse, scheinen normative Wertungen alles andere zu sein, als auszuschaltende Störgrößen. Die Frage nach dem Verhältnis von normativem Bewusstsein und deskriptivem Wissen diskutieren Breit & Eckensberger aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive, diein der Tradition von Jean Piaget und Lawrence Kohlberg Gründe erschließt, weshalb Befragte Normen für berechtigt halten. Die Autoren werfen zunächst einen allgemeinen Blick auf das Verhältnis von normativem Bewusstsein und deskriptivem Wissen in der Ontogenese und ziehen vorsichtige Vergleiche mit Entwicklungen in der Kulturgeschichte. Dabei wird nicht nur die Rolle des unauflösbaren Zusammenhangs von kognitiven, normativen und affektiven Strukturen deutlich, sondern auch, dass Welt einschließlich des objektiven Wissens aus intersubjektiven Beziehungen heraus konstruiert wird, welche Bedeutung soziale Kognitionen hierbei haben, inwieweit diese normativ sind und welche Konsequenzen dies für das Verständnis von Welt und Fakten hat. Danach stellen Breit & Eckensberger Grundzüge der kontextualisierten Theorie des moralischen Urteils dar, die als Folie für das Verständnis anschließend präsentierter empirischer Ergebnisse benötigt wird. Diese Ergebnisse kontextualisierter Moralforschung zeigen, dass im konkreten gesellschaftlichen Kontext auf komplexen Fakten basierende Situationen in normative Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen. Hierbei interpretieren verschiedene Befragte in Abhängigkeit ihrer moralischen Urteilskompetenz das Verhältnis von Normen und Fakten unterschiedlich.

Abstract(englisch):
Our established ideal of science demands that the generation of facts remains free from evaluations. But if one considers actual public discussions about scientific results, normative evaluations appear to be unavoidable. Breit & Eckensberger attempt to discuss the relationship of normative consciousness and descriptive knowledge from the perspective of developmental psychology in the tradition of Jean Piaget and Lawrence Kohlberg, which reconstructs the arguments of why interviewees take norms to be justified. First the authors generally look at the relation between normative consciousness and descriptive knowledge during ontogenesis and circumspectly compare this to developments in cultural history. In doing so the inextricable connection of cognitive, normative, and affective structures as well as the social construction of the world, including objective knowledge, on the basis of intersubjective relations becomes evident. The normative foundation of social cognitions and the consequences in terms of understanding world and facts is demonstrated as well. In addition Breit & Eckensberger present the basics of the contextualized theory of moral judgements, which serves as a background for understanding the empirical results presented subsequently. The results of contextualized research of moral judgements show that in concrete societal contexts situations based on complex facts have to be integrated into processes of normative evaluations. In these processes different interviewees interpret the relation between norms and facts differently depending on the competence of their moral judgements.


DIPF-Abteilung:
Bildung und Kultur

Notizen:

last modified Nov 11, 2016