Turbulente Zeiten
Ein einfaches Blatt Papier und doch ein so bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument. Ein an alle DIPF-Mitarbeitende gerichtetes Schreiben ruft auf Erlass der Hessischen Landesregierung zu mehr Wachsamkeit auf, klärt über den „Schutz öffentlicher Dienstgebäude vor Bombenanschlägen" auf und erläutert, wie sich die Kolleg*innen bei Bombendrohungen verhalten sollen.
Das Schreiben vom 6. Juni 1972 lässt sich in die damalige politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland einordnen. Es erfolgte in einer spannungsreichen Zeit vor dem Hintergrund diverser Anschläge und Bombendrohungen durch die Rote Armee Fraktion (RAF) im Frühjahr 1972. So verübte die RAF am 19. Mai 1972 einen Sprengstoffanschlag auf den damaligen Hauptsitz des Springer-Verlags in Hamburg. Bei Anschlägen in Augsburg, München, Karlsruhe, Hamburg und Heidelberg gab es drei Todesopfer und mehr als 60 Verletzte zu beklagen. Auch das Frankfurter I.G.-Farben-Haus, damals Hauptquartier des V. Korps der US-Landstreitkräfte, wurde zum Ziel. Am 11. Mai 1972 explodierten dort drei RAF-Bomben, unter anderem im Offiziers-Casino. Ein Oberstleutnant kam dabei ums Leben, dreizehn Menschen wurden verletzt.
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen
Die Furcht vor weiteren Anschlägen war groß. Für öffentliche Dienstgebäude, darunter auch das DIPF, wurden verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Ab sofort galt es am DIPF, "verdächtige Personen und Gegenstände" gut im Auge zu behalten. Bei einer Bombendrohung sollten die Mitarbeitenden zunächst ihre Büros untersuchen und Auffälligkeiten melden. Bei einer angeordneten Räumung hieß es "alle Zimmerfenster öffnen" und schnell das Gebäude verlassen. Treffpunkt war der gegenüberliegende Von-Bernus-Park. Dieser liegt bis heute etwas versteckt ganz in der Nähe des ehemaligen DIPF-Gebäudes. Eine Ort, der mit seinen alten Bäumen und dem Weiher in der Mitte eine Ruhe ausstrahlt, die sicher auch die DIPF-Mitarbeitenden zu schätzen wussten. Auch ganz ohne tatsächliche Bombendrohung, die es glücklicherweise nie gab!
