7,5 Fragen an Prof. Dr. Mareike Kunter
Wenn Sie an die 75-jährige Geschichte des Instituts denken: Welcher Moment steht für Sie sinnbildlich für den besonderen Geist des DIPF?
Im monatlichen Kolloquium meiner Abteilung „Lehr- und Lernqualität in Bildungseinrichtungen“ hat vor einer Weile unser früherer Direktor Eckhard Klieme das Projekt "Schule im Wandel" vorgestellt, das historische Veränderungen in der Schul- und Unterrichtskultur untersucht. Die besondere Kombination von empirischer und historischer Bildungsforschung und die angeregte Diskussion zwischen mehreren Generationen von Bildungsforschenden war für mich ein Musterbeispiel für das Arbeiten am DIPF.
Wenn das DIPF ein Mensch wäre: Welche drei Charakterzüge würden das Institut am besten beschreiben?
Vielleicht die, die man den vermeintlich typischen Deutschen auch gerne attestiert: Ernsthaft, gründlich, engagiert.
Welche der vielen Veränderungen in der Bildungslandschaft hätten Sie vor ein paar Jahren selbst nicht für möglich gehalten?
KI wird unser Verständnis von Lehr-Lernsituationen – und insbesondere von Prüfungen – so tiefgreifend verändern, dass wir uns heute noch kaum vorstellen können, wie diese künftig aussehen werden.
Welche unbequeme Wahrheit über das deutsche Bildungssystem spricht man Ihrer Meinung nach viel zu selten aus?
Ich fürchte, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen und deren Zukunft nicht von allen in unserer Gesellschaft als zentrales Anliegen gesehen werden.
Ein wichtiger Rat, den ich mal bekommen habe: Mitgestalten ist besser als Ausharren!
Was war der wichtigste Rat, den Sie von einem*einer Wegbegleiter*in erhalten haben und warum?
Als ich meine erste Professur angetreten hatte, habe ich meinen Vorgänger gefragt, welchen Rat er mir geben würde. Es war: "Bringen Sie sich ein!" Damit bin ich immer gut gefahren – Mitgestalten ist besser als Ausharren.
In welchen Situationen haben/hatten Sie ganz besonders das Gefühl "Genau darum mache ich das"?
Immer, wenn ich auf Konferenzen oder bei Disputationen brillante Vorträge von jungen Wissenschaftler*innen sehe, deren Einstieg in die akademische Karriere ich begleiten durfte.
Welche Superkraft hätten Sie gerne und warum?
Ich würde gerne die mir zur Verfügung stehende Zeit verdoppeln können.
Wenn ich an die Zukunft des DIPF denke, dann wünsche ich mir...
ein Institut, das wie ein wendiges Segelboot die Wogen des Wandels nutzt und mit Leichtigkeit, Wachheit und klarem Kurs vorankommt.