7,5 Fragen an Dr. Stefan Cramme

@DIPF
Der kommissarische Direktor der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung stellt sich unseren 7,5 Fragen – zum historischen Blick auf das deutsche Bildungswesen, der Dynamik von Widersprüchlichkeiten und dem Wunsch, in die Vergangenheit reisen zu können.

Wenn Sie an die 75-jährige Geschichte des Instituts denken: Welcher Moment steht für Sie sinnbildlich für den besonderen Geist des DIPF?

Die Entscheidung des Instituts Anfang der 1990er-Jahre, Teile der in Auflösung befindlichen Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR, darunter die heutige BBF, zu übernehmen. Diese zeigt deutlich, dass das DIPF ein sehr umfassendes Verständnis von Bildungsforschung und Bildungsinformation hat. Das ursprünglich hessische und auf „Tatsachenforschung“ ausgerichtete Institut hat seitdem auch einen ostdeutschen und historischen Blick auf das deutsche Bildungswesen.

Wenn das DIPF ein Mensch wäre: Welche drei Charakterzüge würden das Institut am besten beschreiben?

Das DIPF zeigt sich vielseitig, facettenreich und mitunter vielleicht sogar widersprüchlich, weil es viele unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsbereiche unter einem Dach vereint.

Welche der vielen Veränderungen in der Bildungslandschaft hätten Sie vor ein paar Jahren selbst nicht für möglich gehalten?

In der BBF beschäftigen wir uns in erster Linie mit längerfristigen und historischen Entwicklungen und weniger mit aktuellen Veränderungen. Gerade aus dieser Perspektive erscheint mir bemerkenswert, dass trotz aller historisch gewachsenen Beständigkeit im deutschen Bildungssystem in den letzten Jahren auch viel Dynamik, etwa bei den Schulstrukturen, entstanden ist.

Vieles im deutschen Bildungssystem lässt sich durch seine Geschichte erklären, die durch eine erstaunliche Mischung aus Umbrüchen und Kontinuitäten geprägt ist. 

Welche unbequeme Wahrheit über das deutsche Bildungssystem spricht man Ihrer Meinung nach viel zu selten aus?

Vieles im deutschen Bildungssystem lässt sich durch seine Geschichte erklären, die durch eine erstaunliche Mischung aus Umbrüchen und Kontinuitäten geprägt ist. Dass bestimmte Besonderheiten, wie bspw. das dreigliedrige Schulsystem, historisch gewachsen und keine unabdingbaren Konstanten sind, sollte öfter klarer gemacht werden, um Veränderungen richtig einzuordnen.

Was war der wichtigste Rat, den Sie von einem*einer Wegbegleiter*in erhalten haben und warum?

Ein wichtiger Rat während meines Studiums war, konsequent an der eingeschlagenen Richtung festzuhalten, und sich nicht durch Herausforderungen oder unsichere Zukunftsperspektiven beirren zu lassen.

In welchen Situationen haben/hatten Sie ganz besonders das Gefühl "Genau darum mache ich das"?

Eine Infrastruktureinrichtung wie die BBF lebt davon, dass sie insbesondere von externen Forschenden genutzt wird. Nicht immer bekommen wir mit, was aus dieser Nutzung geworden ist. Umso schöner ist es, wenn in Publikationen und Vorträgen auf Bestände oder Datenangebote der BBF hingewiesen wird.

Welche Superkraft hätten Sie gerne und warum?

Ich fände die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu reisen, sehr reizvoll. Nicht, um daraus direkte Schlüsse zu ziehen, sondern vielmehr aus persönlicher Neugier.

Wenn ich an die Zukunft des DIPF denke, dann wünsche ich mir...

dass es dem Institut wie schon mehrfach in seiner Geschichte gelingt, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aufzunehmen und sich daran neu auszurichten.