7,5 Fragen an Susanne Boomkamp-Dahmen
Wenn Sie an die 75-jährige Geschichte des Instituts denken: Welcher Moment steht für Sie sinnbildlich für den besonderen Geist des DIPF?
Das sind die Momente am Institut, die außerhalb oder am Rande von Terminen und Tagesordnungen stattfinden. Momente, bei denen man mal ins Gespräch kommt, sich gegenseitig zuhört und bereit ist, die Perspektive zu wechseln und dadurch Verständnis für die Meinung oder das Verhalten der anderen zu entwickeln. Diese Möglichkeit ist ein großer Schatz, der bewahrt werden sollte.
Wenn das DIPF ein Mensch wäre: Welche drei Charakterzüge würde das Institut am besten beschreiben?
Für mich ist das DIPF ein Institut, in dem generell ein freundlicher Umgangston herrscht und alle Personen zugewandt und respektvoll empfangen werden. Weiterhin empfinde ich das Institut als sehr hartnäckig und resilient, weil es seit 75 Jahren mit dem und für das Thema Bildung arbeitet und sich trotz gesellschaftlicher Veränderungen unter immer wieder neuen Rahmenbedingungen als wertvoller Akteur erweist.
Welche der vielen Veränderungen in der Bildungslandschaft hätten Sie vor ein paar Jahren selbst nicht für möglich gehalten?
Dazu gehört für mich unser Neubau auf dem Campus Westend in Frankfurt. Ich bin heute noch verwundert, dass dem DIPF diese Chance gegeben wurde, dieses repräsentative Haus zu bauen und zu beziehen.
Welche unbequeme Wahrheit über das deutsche Bildungssystem spricht man Ihrer Meinung nach viel zu selten aus?
Die Anforderungen an Verwaltungen werden größer und größer: Von extern kommen immer mehr rechtliche Regelungen. Diese sind zudem immer komplexer, und die Häufigkeit von Änderungen nimmt zu. Auch der Aufwand für die Dokumentation und Beantwortung von Statistiken verstärkt sich stetig. Von intern kommt auf unsere Verwaltung immer häufiger der Wunsch nach Einzelfallregelungen, die viel Arbeitszeit in Anspruch nehmen, zu (z.B. Ausnahmen arbeitsrechtlicher Art oder Sonderausstattungen für Büros etc.). Das meiste davon hat sicherlich seine Berechtigung, aber es muss einem klar sein, dass sich dadurch die Prozesse verlangsamen, und dass wir diese Aufgaben nur mit mehr finanziellen und personellen Ressourcen bearbeiten können.
Ich wollte schon immer fliegen können. Die Welt von oben betrachten, die Perspektive wechseln, Abstand gewinnen und Freiheit fühlen ist immer noch ein Traum von mir.
Was war der wichtigste Rat, den Sie von einem*einer Wegbegleiter*in erhalten haben und warum?
Im beruflichen Umfeld habe ich mir oft einen Kollegen als Vorbild genommen, der eine sehr große Begabung hat, auch in verzwickten Situationen Kompromisse zu finden. Daran versuche ich, mich zu orientieren und die unterschiedlichen Aspekte aller Seiten in den Blick zu nehmen, um Lösungen zu finden, die möglichst alle Beteiligten zufriedenstellen. Natürlich gelingt mir das nicht immer, aber ohne diesen Impuls hätte ich es viel seltener versucht.
In welchen Situationen haben/hatten Sie ganz besonders das Gefühl "Genau darum mache ich das"?
Das sind für mich die drei Evaluationsbegehungen, die ich am DIPF miterlebt habe, und bei denen unser Institut von einer externen Expert*innengruppe auf Herz und Nieren überprüft wird, wovon letztlich die Weiterförderung abhängt. Dabei herrschte unter allen Beschäftigten immer eine großartige Atmosphäre mit viel Konzentration, Motivation und Verbundenheit – und auch Überzeugung, gute Arbeit zu leisten. Das fand ich für mich immer sehr inspirierend und motivierend.
Welche Superkraft hätten Sie gerne und warum?
Ich wollte schon immer fliegen können. Die Welt von oben betrachten, die Perspektive wechseln, Abstand gewinnen und Freiheit fühlen ist immer noch ein Traum von mir.
Wenn ich an die Zukunft des DIPF denke, dann wünsche ich mir...
dass es dort stets Menschen gibt, die verantwortungsvoll ihre Arbeit machen, die Wirksamkeit für die positive Entwicklung des Instituts entfalten, die ihre persönlichen Interessen zurückstellen und die Entwicklung des gesamten Instituts im Blick haben, die einen wertschätzenden Umgang pflegen und im richtigen Moment mal ein Auge zuzudrücken.