Ein roter Sessel und Barockmusik

Im Büro von Dr. Bettina Reimers lädt ein roter Sessel zum Niederlassen, Innehalten und Kommunizieren ein.

Hereinspaziert in das Büro von Dr. Bettina Reimers: Wenn die Leiterin des Archivs der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin über ihren Beruf spricht, dann wird schnell klar, dass dieser für sie eine Berufung ist. „Sichern, bewahren, bereitstellen, organisieren, zusammenhalten, planen, vermitteln, Brücken bauen zwischen Archiv, Forschung, Nachlassbildnern und Zeitzeugen der Bildungsgeschichte, repräsentieren der archivischen Arbeit im DIPF“, so umschreibt Frau Reimers ihren Arbeitsalltag. Kein Tag seit ihrem Start am DIPF 2008 ist für sie wie der andere – und jeder Tag beinhaltet eine Fülle ganz unterschiedlicher Tätigkeiten und Herausforderungen.

Besonderes Möbelstück

Feste Konstante in ihrem Büro mit Blick auf den Fernsehturm: ein roter Sessel. Er lädt ein, sich niederzulassen, innezuhalten und zu kommunizieren. Schon viele Gäste saßen auf diesem besonderen Möbelstück aus der Gründerzeit, zu dessen Geschichte Frau Reimers etwas erzählen kann: „Ich habe immer gerätselt, warum dieser Sessel so außergewöhnlich klein ist. Von einem Besucher habe ich dann erfahren, dass er eine Spezialanfertigung war. Eine Miniaturausgabe eines Fauteuils, die in der Zeit um 1870 als Kindersessel genutzt wurde.“

Über einem schwarzen Bisley-Schrank (der Klassiker unter den Büromöbeln!) hängt das Porträt des bemerkenswert fortschrittlichen Reformpädagogen Berthold Otto. Im Schrank selbst finden sich die sorgfältig zusammengestellten Bestandsakten von 280 übernommenen Nachlässen. Darin: Korrespondenzen, Verträge über die Stücke, die überlassen wurden, wichtige Dokumente.

Ein Nachlass, auf den Bettina Reimers besonders stolz ist, ist der Bestand des Verbandes Deutscher Schullandheime. Dieser wäre fast beim Bundesarchiv gelandet. Doch über Umwege und vor allem durch geschicktes Verhandeln gelang es der Archivarin, den gesamten Bestand mitsamt unzähliger wunderbarer Fotografien in das BBF-Archiv zu holen.

Bach, Händel, Gluck

Abends, wenn die Nachbarbüros langsam leer werden, dann arbeitet Frau Reimers besonders gerne – und in ganz besonderen Fällen hört sie dann Barockmusik. Bach, Händel, Gluck: Diese großartigen Komponisten liebt sie sehr, und deren Musik hilft auch beim Stressabbau. Genau wie der Kontakt und Austausch mit den jungen Kolleg*innen, der Bettina Reimers besonders am Herzen liegt. „Wenn junge Kolleg*innen sich weiterentwickeln und wenn wir als Team gut miteinander wirken, wenn die Übernahme wichtiger Bestände gelingt, wenn Bestandsbildner mit unserer Arbeit zufrieden sind und wir für die Nutzenden die richtigen Akten bereitstellen können, dann macht mich das glücklich“, sagt sie. 

Das Archiv der BBF verwahrt als sammelndes Spezialarchiv für die Erziehungs- und Bildungsgeschichte sowie die Geschichte der Fachdisziplin zentrale Dokumente, wie Schriftgutbestände privater und institutioneller Provenienz, Nachlässe und Sammlungen, Handschriften und Fotografien. Vor allem werden dabei neben Beständen aus privater Hand Materialien von nicht an staatliche oder andere Archive abgabepflichtigen Organisationen und Institutionen übernommen. Zum Archiv gehört auch das Institutsarchiv des DIPF. Die Bestände werden systematisch erweitert und nach archivfachlichen Grundsätzen aufbereitet, sie stehen der Öffentlichkeit für Recherchen und Forschung zur Verfügung. Organisatorisch ist das Archiv ein Arbeitsbereich der Abteilung BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF.