Nachruf auf Prof. Dr. Hans Döbert

@Tom Baerwald für DIPF
18.09.2026 Nachricht
Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main und Berlin trauert um seinen langjährigen Mitarbeiter Hans Döbert, der am 31. August nach langer Krankheit in Berlin gestorben ist.

Hans Döbert, geboren am 10. Januar 1947 im thüringischen Sondra, gehörte zu den wenigen Bildungsforschern, die sowohl das Studium und die Tätigkeit als Lehrkraft als auch das Wirken als Wissenschaftler in der DDR und im späteren Gesamtdeutschland erlebt haben. 1992 kam unser ehemaliger Kollege unter anderem mit langjährigen Erfahrungen in verantwortlichen Positionen an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR ans DIPF. Dort trug er in seiner Anfangszeit maßgeblich zum Erfolg der „Arbeitsgruppe Berlin“ bei, die zuletzt aus vier in der DDR qualifizierten Wissenschaftlern bestand, die auf unbefristeten Stellen frei wissenschaftlich arbeiten konnten. Später stieß Döbert zur Arbeitseinheit „Steuerung und Finanzierung des Bildungswesens“, die er lange Jahre mitprägte und zeitweise auch leitete. Als Beispiel für seine vielfältigen Tätigkeiten am DIPF sei seine führende Funktion im Projekt „Kommunales Bildungsmonitoring“ zu nennen. Die Universität Erfurt, mit der er in Projekten kooperierte, ernannte ihn im Februar 2007 zum Honorarprofessor für das Fach Erziehungswissenschaft. 

Thematisch trat Döbert in den 1990er Jahren zunächst mit Publikationen hervor, die sich mit dem Bildungswesen der DDR, dessen Transformation und dabei vor allem mit empirischer Lehrer- und Curriculumforschung befassten. Als im Folgejahrzehnt ein Forschungsbedarf in ganz anderer Dimension im Bereich der Steuerung und Struktur des Bildungswesens in Deutschland entstand, war er impulsgebend an großen Projekten und Berichten in diesem Feld beteiligt – und das von der nationalen bis zur kommunalen Ebene, vom „Nationalen Bildungsbericht“ bis zum „Lernen vor Ort“. Beim wegweisenden ersten nationalen Bildungsbericht 2006 sowie beim Folgebericht 2008 oblag ihm die wissenschaftliche Koordination. Er wurde zu einem profilierten Pionier und Wegbereiter des modernen Bildungsmonitorings in Deutschland. Seine Arbeit beeinflusste maßgeblich die Art und Weise, wie Bildungsdaten erfasst, analysiert und für politische Entscheidungen genutzt werden. Hinzu kam seine engagierte Herausgebertätigkeit und sein Interesse für die vergleichende Bildungsforschung, wie sie vor allem 2010 mit dem Erscheinen des großangelegten Bandes „Die Bildungssysteme Europas“ sichtbar wurden. Auch nach seiner altersbedingten Verabschiedung vom DIPF im Jahr 2014 kam sein Forscherdrang nicht zur Ruhe und er blieb unter anderem bis zuletzt beratend für Projekte des Bildungsmonitorings tätig.

Hans Döbert war kein in sich gekehrter Gelehrter, er liebte das wissenschaftliche Leben. Jenen zahlreichen, damals jungen Menschen, die er in bundesweite Forschungen einbeziehen konnte und die heute im Bildungsbereich tätig sind, war er ein fordernder Förderer. Er wird fehlen – als Wissenschaftler, aber vor allem als Mensch und als Freund.

Gert Geißler

Berlin, im September 2026
Für Vorstand und Mitarbeitende des DIPF | Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation