„Wenn Förderung nicht früh genug einsetzt, geraten Schulen schnell unter Druck“
So war Prof. Maaz zu Gast im „heute journal“-Podcast des ZDF und diskutierte mit Bildungsinfluencerin Gina Waibel, der stellvertretenden Chefredakteurin des ZDF Anne Gelinek und Host Helene Reiner unter anderem darüber, dass die Pisa-Ergebnisse auch international schlechter geworden sind. Dies führte der Bildungsforscher auf Lebens- und Rahmenbedingungen zurück, die herausfordernder und unsicherer seien als vor 25 Jahren. „Dazu noch werden Kinder und Jugendliche ständig mit Ablenkungsmedien konfrontiert, das heißt die Konkurrenz um aktive Lernzeit ist heute eine völlig andere.“
Dass die aktuelle Studie erneut den hohen Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg in Deutschland bestätigt, findet Kai Maaz bedenklich, wie er in der Frankfurter Rundschau betont. Dieser Zusammenhang liege unter anderem auch am Lehrkräftemangel bei einer zugleich vielfältigeren Schüler*innenschaft und der ungenügenden Verknüpfung von Fördermaßnahmen.
Auch die frühkindliche Bildung müsse gestärkt werden: Bei einem Teil der Kinder gelinge es noch nicht ausreichend, zentrale Voraussetzungen für erfolgreiches schulisches Lernen vor dem Schuleintritt zu sichern. „Dabei geht es nicht nur um die Beherrschung der deutschen Bildungs- und Instruktionssprache, sondern auch um Selbstregulation und soziale Kompetenzen. Wenn solche Voraussetzungen fehlen und Förderung nicht früh genug einsetzt, geraten Schulen schnell unter Druck.“
Befragt nach möglichen Reaktionen auf die PISA-Ergebnisse insgesamt kommt er zu dem Schluss: „Zunächst brauchen wir keinen neuen Aktionismus, sondern müssen bestehende Maßnahmen für Schulen konsequent weiterentwickeln und nachhaltig verankern.“
Das Startchancenprogramm sei dafür der richtige Ansatz, unterstreicht er auch im Interview mit web.de: „Es gibt ein klares Ziel für die nächsten zehn Jahre und man will Bestehendes weiterentwickeln, statt ständig neue Projekte zu starten.“ Die Erfahrungen und das Wissen aus den 4.000 beteiligten Schulen sollen zudem über Fortbildungen und die Unterstützung von Lehrkräften ins gesamte Schulsystem getragen werden. Auf diese Weise könne das Programm langfristig auch über die geförderten Schulen hinaus wirken. Zugleich betont er: „Die Warnzeichen waren da – seit Jahren. Wir wissen längst, wo die Probleme liegen und was zu tun wäre. Der eigentliche Schock ist, dass wir dieses Wissen seit Jahren haben und trotzdem nicht konsequent handeln.“
Podcast „heute journal“ des ZDF
Interview auf web.de
Interview in der Frankfurter Rundschau