Wie steht es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland?
Maaz hält in dem Interview klar fest: „Wir haben in Deutschland ein großes Problem mit sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem.“ Darüber hinaus betont er: „Das Fatale ist, dass dieses Problem nicht erst seit gestern besteht, sondern seit vielen Jahren, man muss sagen, seit Jahrzehnten.“ Auf die Frage, welche Rolle Migration bei dieser Entwicklung spiele, antwortet der Bildungsforscher differenziert: „Der Migrationshintergrund hat auch einen Einfluss, er ist aber weniger stark als die soziale Herkunft.“
Denn man könne auch nicht von einem quasi einheitlichen Migrationshintergrund sprechen, sagt Maaz: „Denn Migration ist vielfältig, die Gründe, warum Familien nach Deutschland kommen, unterscheiden sich, auch die Herkunftsländer unterscheiden sich.“ So könne es sein, dass manche dieser Gruppen im Bildungssystem benachteiligt, andere aber auch bevorteilt seien.
Qualitativ hochwertige frühe Bildung als Ansatzpunkt
Mit Blick auf mögliche Ansatzpunkte sieht der Soziologe nicht die Finanzierung als wichtigsten Hebel: „Geld ist wichtig, aber Geld allein macht das Bildungssystem nicht besser.“ Das Problem läge woanders: „Wir haben ein Bildungssystem, das eher reaktiv handelt. Wir reagieren, wenn wir negative Studienergebnisse haben, statt proaktiv zu handeln.“ Auf die Frage, wie das aussehe könne, gibt Maaz einen Ausblick auf denkbare mittelfristige Schritte: „Wir müssen mit einer qualitativ hochwertigen frühen Bildung anfangen. Wir müssen überlegen, dass wir Sollbruchstellen an Übergängen abbauen. Wir müssen versuchen, die Fragmentierung von Bildungsangeboten aufzuheben.“
Letztlich komme es darauf an, so Maaz, ein flexibleres Bildungssystem zu schaffen, das den Herausforderungen der Bildungsbiografien und den unterschiedlichen Entwicklungsständen aller Kinder gerecht werden könne.
Das ganze Interview von ZDF heute mit Kai Maaz