Im MYSKILLS-Projekt wurde eine mehrsprachige Testplattform entwickelt, die es Menschen ohne (anerkannte) Abschlüsse ermöglicht, berufliches Wissen nachzuweisen und so ihren Berufseinstieg erleichtert.
Editorial
Als Projektteam haben wir viel Arbeit und Herzblut in die Entwicklung von MYSKILLS gesteckt. Zugleich hatten wir nur wenig direkten Kontakt zu den Menschen, die damit unterstützt werden. Umso wertvoller ist diese Impact Story für uns: Sie zeigt, wie unser Produkt in der Praxis eingesetzt wird und wie positiv es bei den verschiedenen Akteur*innen ankommt.
Wie können informell erworbene berufliche Erfahrungen oder berufliche Abschlüsse, zu denen Nachweise fehlen, sichtbar gemacht werden?
Viele Menschen verfügen über wertvolle, aber oft nicht nachweisbare Berufserfahrung, was ihre Integration in den Arbeitsmarkt erschwert. MYSKILLS wurde entwickelt, um die beruflichen Fähigkeiten dieser Menschen verlässlich zu erfassen und als Grundlage für Vermittlungsgespräche zu nutzen.
Informelle Kompetenzen blieben lange unsichtbar
MYSKILLS entstand 2017 als Unterstützung für Menschen, die aufgrund fehlender oder in Deutschland nicht anerkannter Abschlüsse Schwierigkeiten bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt haben. Viele dieser Menschen haben jedoch berufliche Erfahrungen, die informell erworben wurden, andere wiederum haben Ausbildungen abgeschlossen, die aufgrund fehlender Dokumente nicht nachweisbar sind oder nicht anerkannt werden. Arbeitgebern, die auf der Suche nach geeigneten Arbeitnehmer*innen sind, entgehen dadurch mögliche Bewerber*innen, welche die für ihre Stellen nachgefragten Fähigkeiten zwar besitzen, diese aber nicht belegen können. Bis dahin gab es kein Instrument, mit denen solche Kompetenzen für berufliche Tätigkeiten erfasst werden können. Die Idee für MYSKILLS war geboren.
Das Projekt
Zu Beginn des Projekts MYSKILLS stand der Bedarf nach einem Instrument im Fokus, mit dem auch informell erworbene, beruflich notwendige Kompetenzen nachgewiesen werden können.
Das DIPF entwickelte mehrsprachige Berufstests und steuerte das MYSKILLS-Projekt in drei Phasen: Nach der technischen Entwicklung begleitete das Team zunächst den Einsatz bei der Bundesagentur für Arbeit und anschließend bei nationalen sowie internationalen Bildungsträgern.
Ein Testsystem, das berufliche Kompetenzen messbar macht
Zunächst beauftragte die Bundesagentur für Arbeit das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und die Bertelsmann Stiftung, berufliche Kompetenztests zu entwickeln und deren Anwendung und Nutzen in der Praxis zu erproben. In dieser ersten Phase konnten wir uns in einem Wettbewerb bei der Bertelsmann Stiftung vor Ort in Wuppertal mit einem Konzept zur technischen Umsetzung und Auslieferung der Tests durchsetzen, und seither ist das DIPF an dem Projekt in verschiedenen Aufgaben beteiligt.
Nach der Entwicklung ging der MYSKILLS-Test in Phase 2 von 2017 bis 2022 in den praktischen Einsatz bei der Bundesagentur für Arbeit, seit 2020 wird der Test auch beim Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (ADG) durchgeführt. Phase 3 startete im Frühjahr 2022. Seither erprobt das DIPF zusammen mit der Bertelsmann Stiftung den Einsatz von MYSKILLS bei Bildungsträgern in Deutschland und im internationalen Rahmen.
1. Phase (2017 – 2018): Entwicklung der Tests und der technischen Plattform
2. Phase (2017 – 2022): Auslieferung und Durchführung der Tests bei der Bundesagentur für Arbeit
3. Phase (2022 – 2025): Einsatz der Tests bei Bildungsträgern
Technische Entwicklung und Mehrsprachigkeit der MYSKILLS-Testplattform
In der Pilotphase lag die technische Umsetzung der MYSKILLS-Tests beim DIPF-Team. Hier arbeiteten Kolleg*innen aus dem Zentrum für technologiebasiertes Assessment (TBA) an der Software-Entwicklung. Ziel war es, die Tests als Software-as-a-Service (SaaS) anzubieten und sicherzustellen, dass sie an allen Standorten der Bundesagentur für Arbeit unter gleichen Bedingungen durchgeführt werden konnten. Dabei mussten Vorgaben wie die Hochverfügbarkeit der MYSKILLS-Software mit ausgedehnten Betriebszeiten eingehalten werden. Auch am DIPF haben wir in dieser Phase sehr viel dazugelernt. Beispielsweise mussten speziell für dieses Projekt Modelle für Rufbereitschaft entwickelt werden – in unserem Beruf eher eine Seltenheit.
Die MYSKILL-Tests: Aufgaben für 30 Berufe, in 12 Sprachen durchführbar und mit innovativen Funktionen in der Anwendung.
Unser Team begann zunächst mit der Computerisierung der entwickelten Aufgaben für 30 Berufe und musste dabei auch sicherstellen, dass die Übersetzungen der Tests (z. B. auch in Farsi und Arabisch) korrekt dargestellt werden. Im Laufe der Zeit wurde die Anzahl der verfügbaren Sprachen auf insgesamt zwölf erweitert. Eine besonders innovative Funktion der technischen Umsetzung war die Möglichkeit, dass Teilnehmer*innen während des Tests zwischen den verschiedenen Sprachen hin- und herwechseln können. Diese Funktion erweist sich als besonders vorteilhaft für Personen, die in verschiedenen Ländern gelebt haben oder mehrere Sprachen sprechen. Außerdem haben wir ein Dashboard entwickelt, womit die Testleitung die Testbearbeitung live mitverfolgen und bei Bedarf unterstützend eingreifen kann.
Die Teilnehmenden testen ihr berufliches Wissen in fünf Bereichen.
Zunächst wurden die Tests in der Bundesagentur für Arbeit eingesetzt. Unser Team entwickelte und optimierte die Technik so, dass die Tests immer möglichst unter den gleichen Bedingungen stattfinden konnten.
Seit 2022 sind die MYSKILLS-Tests bei Bildungsträgern im Einsatz. Ein neues Self-Learning-Tool stellt sicher, dass jederzeit neue Personen in das System eingearbeitet werden können.
In der dritten, seit 2022 andauernden Projektphase begann der Einsatz der MYSKILLS-Tests bei Bildungsträgern. Seither erproben wir in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung, inwieweit MYSKILLS-Tests bei Bildungsträgern deutschlandweit angeboten werden können – in den zwei Jahren dieser Pilotphase haben insgesamt ca. 2000 Testungen stattgefunden. Hierfür entwickelten wir die Technik weiter, sodass das System noch stabiler und gleichzeitig flexibler wurde. An den Support des Systems wurden neue Anforderungen gestellt: Während die Computer(systeme) bei der Bundesagentur für Arbeit und damit die Bedingungen immer dieselben sind, sieht es bei den Bildungsträgern vor Ort ganz anders aus. Zudem gab es mit den Bildungsträgern eine Reihe neuer Ansprechpersonen, die in das System eingearbeitet werden mussten. Daher entwickelten wir das Self Learning Tool, mit dem neue Mitarbeiter*innen den Umgang mit der Testplattform lernen können.
Die Ergebnisse
MYSKILLS ist als erste Software-as-a-Service Lösung am DIPF eine Erfolgsgeschichte.
Mittlerweile können 30 Berufe in 12 Sprachen getestet werden. Die Tests wurden bereits über 14.000-mal eingesetzt und gelten als besonders hilfreich für geflüchtete und geringqualifizierte Personen.
Mehrsprachige Tests überzeugen durch Flexibilität
Über die lange Projektphase seit 2017 kann MYSKILLS zahlreiche postitive Ergebnisse vorweisen. Die Tests wurden mit Aufgaben für 30 Berufe und in 12 Sprachen konzipiert, zwischen denen Teilnehmer*innen auch während des Tests wechseln können – das erleichtert die niedrigschwellige Anwendung. Das Instrument kann insbesondere bei geflüchteten und geringqualifizierten Personen eingesetzt werden.
In der zweiten Phase des Projekts kamen die Tests bei der Bundesagentur für Arbeit zum Einsatz. Zwischen dem 1. November 2017 und dem 31. Dezember 2022 wurden insgesamt knapp 14.000 Tests durchgeführt. Die COVID 19-Pandemie hat uns in dieser Phase stark beschäftigt, weil die Tests aufgrund der zahlreichen Beschränkungen nur sehr reduziert durchgeführt werden konnten. Tatsächlich blieben die Zahlen für die Tests an dieser Stelle auch unter den Erwartungen – nicht nur wegen COVID 19. In der Praxis zeigte sich, dass die produktive Nutzung der Tests und der bereitgestellten Testergebnisse mit allen Akteur*innen gut vorbereitet und abgestimmt sein muss, damit die Tests ihr volles Potenzial entfalten können. Das MYSKILLS-Team nahm diese Erfahrungen aus der Einsatzzeit bei der Bundesagentur für Arbeit mit in die dritte Projektphase.
Umfangreiche Entwicklungsarbeit und erfolgreicher Einsatz der MYSKILLS-Tests bei Bildungsträgern in der aktuellen Projektphase
Seit 2022 werden die Tests in Auftrag der Bertelsmann Stiftung bei Bildungsträgern in Deutschland eingesetzt. Für diesen dezentralen Einsatz von MYSKILLS musste das DIPF-Entwicklungsteam die Software weitreichend neu entwickeln, um die vielfältigen technischen Bedingungen vor Ort zu berücksichtigen und die nötige Flexibilität und Stabilität des Systems zu garantieren.
Auch für den Support gab es neue Bedingungen, da es mit den Bildungsträgern mehr Ansprechpersonen gab und mehr Personen in das System eingearbeitet werden mussten. Anders als bei der Bundesagentur für Arbeit steht auch kein zuverlässiger First Level Support mehr zur Verfügung. Daher wurde ein mehrteiliges Self-Learning Tool entwickelt. Dank diesem können neue Bildungsträger schnell und unkompliziert in die Nutzung des Tests eingeführt werden und sich bei einfachen Problemen selbst helfen.
Vielversprechende erste Ergebnisse bei den Bildungsträgern: MYSKILLS wird passgenau eingesetzt.
Seit Beginn der Testphase bei den Bildungsträgern im Jahr 2022 gab es einen Zuwachs an Bildungsträgern, die MYSKILLS verwenden. Da der Einsatz bei den Bildungsträgern so gut verläuft und das Interesse an den Tests weiterhin groß ist, geht es für das Projekt auch 2025 weiter. Geplant ist, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und unter Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit die Tests in den kommenden Jahren weiter einzusetzen und zu begleiten.
Folgen und Impact
Merle Andersen, MYSKILLS-Koordinatorin bei einem Arbeitsmarktdienstleister, hat uns erzählt, warum, wie und mit welchen Ergebnissen die Tests im Unternehmen zum Einsatz kommen.
Mit MYSKILLS ermittelte berufliche Fähigkeiten werden gezielt für Weiterbildungen und Vermittlungen in den Arbeitsmarkt genutzt. Die Tests eröffnen realistische berufliche Perspektiven und motivieren die Teilnehmenden, ihre Fähigkeiten auszubauen und passende Berufe aufzunehmen.
MYSKILLS in den Unternehmen
Warum verwenden Sie MYSKILLS in Ihrem Unternehmen?
Als Arbeitsmarktdienstleister unterstützen wir Menschen dabei, den Wiedereinstieg in Arbeit oder Ausbildung zu schaffen. Wir arbeiten hierbei nach unserem eigenen Ansatz, der ABC-Methode. ABC steht für unsere Kernkompetenzen Arbeit, Bildung und Coaching. Die ABC-Methode nutzen wir, um den ganzheitlichen Integrationsprozess zu unterstützen. Ein Beispiel: Wir stellen fest, dass einer Person, die an einer Ausschreibungsmaßnahme teilnimmt, noch eine bestimmte Qualifizierung fehlt, um wieder Fuß im Arbeitsmarkt zu fassen. Dann können wir der Person ein passendes internes Angebot selbst anbieten. Die Person geht also direkt von der Teilnahme an unserer Ausschreibungsmaßnahme in eine Qualifizierung bei uns im Hause. Ein wesentlicher Bestandteil der ABC-Methode ist dabei die Diagnose. Ohne zu wissen, was die Person, die zu uns kommt, kann oder welche Vorerfahrungen sie hat, ist es schwierig, eine vernünftige Förderempfehlung auszusprechen oder nächste Förderschritte zu planen. Aus diesem Grund nutzen wir MYSKILLS: Es ist ein super und einmaliges Tool, um berufliche Kompetenzen sichtbar zu machen. Diese Erkenntnisse werden genutzt, um Empfehlungen für die Qualifizierung oder für die Arbeitsuche auszusprechen. MYSKILLS stärkt unsere Diagnosekompetenz und unterstützt uns dabei, die nächsten Schritte zur Förderung der Menschen besser zu planen. Ohne MYSKILLS wäre das so nicht möglich. Dann müssten wir unsere Kund*innen direkt zum Probearbeiten zum Arbeitgeber schicken. Das ist leider nicht immer aussagekräftig, da wir auf die Betriebe und deren Aussagen angewiesen sind. Zudem ist auch die Kooperationsbereitschaft nicht immer optimal. Daher kann mit MYSKILLS eine sehr gute Lücke in der Diagnose geschlossen werden. Und das Tolle ist, dass der MYSKILLS-Test in zwölf Sprachen zur Verfügung stehen. Wir haben einen sehr hohen Anteil an Teilnehmenden mit Migrationshintergrund, und die meisten der benötigten Sprachen sind abgedeckt.
Für welche Personen verwenden Sie MYSKILLS?
Unsere Hauptzielgruppe sind Personen, die über das Jobcenter und die Arbeitsagentur kommen. Eher die Ausnahme sind Anfragen von Menschen, die über unsere Webseite auf MYSKILLS aufmerksam wurden. Wir nutzen MYSKILLS als Teil des Konzepts überwiegend für Migrant*innen mit geringen Deutschkenntnissen oder auch für Langzeitarbeitslose. Mit MYSKILLS können berufliche Kompetenzen sichtbar gemacht werden, auf denen weitere Unterstützungsangebote aufbauen.
Wann wird der MYSKILLS-Test eingesetzt und wie sind Ihre Erfahrungen mit den Teilnehmer*innen?
In der Regel erkennen unsere Coaches, ob jemand eine gewisse Berufserfahrung hat. Hat die betreffende Person keine Zeugnisse oder sind beispielsweise auch die Sprachkenntnisse ein Hindernisgrund, mehr über die berufliche Vorerfahrungen zu erfahren, schlagen die Coaches dann MYSKILLS vor. Die betreffenden Personen sind in der Regel motiviert, am Test teilzunehmen. Einmal, weil sie keine anderweitigen Nachweise über berufliches Wissen oder Handlungskompetenz haben, aber auch, weil sie es oft selbst nicht einschätzen können. Wir haben immer wieder Teilnehmer*innen, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen, beispielsweise jemand, der gerne am PC bastelt, aber nicht weiß, ob diese Tätigkeiten auch auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind oder vielleicht noch eine Qualifizierung notwendig ist. Andere Teilnehmer*innen am Test haben schlechte Erfahrungen im Bewerbungsprozess gesammelt, sodass sie oft ihren Stellenwert am Arbeitsmarkt nicht kennen. Generell sind Prüfungssituationen für viele sehr ungewohnt und wenn noch eine Sprachbarriere dazukommt, wird es noch schwieriger. Wenn sie sich nicht durch einen Test auf Deutsch quälen müssen, sondernihn in ihrer eigenen Sprache machen können, ist das für diesen Personenkreis ein motivierender Aspekt.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Test gesammelt?
Viele Kolleg*innen haben mir zurückgemeldet, dass die Teilnehmer*innen nach einem MYSKILLS-Test unheimlich motiviert sind, weil sie teilweise nicht mit so guten Ergebnissen gerechnet haben. Beispielsweise gab es einen Teilnehmer, der eine Ausbildung und Berufserfahrung als Fachkraft Metalltechnik hatte, aber zu dem Zeitpunkt des Tests schon fünf oder sechs Jahre nicht mehr in dem Bereich arbeitete. Er hat den Metalltechnik-Test gemacht und war selbst ganz überrascht, dass er nach so langer Zeit noch so viel wusste. Manchmal gibt es das auch in die andere Richtung, dass sich Teilnehmende selbst besser eingeschätzt haben, als der Test dann gezeigt hat. Diese Ergebnisse aus einem MYSKILLS-Test geben unseren Coaches viele Anhaltspunkte, um damit weiterzuarbeiten, sowohl Hinweise auf das berufliche Wissen als auch über die Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung und zum Durchhaltevermögen.
Schön ist ebenfalls, dass die Teilnehmer*innen in ihrem eigenen Tempo arbeiten können und dass sie die Pausen auch relativ flexibel legen können. Gerade bei Langzeitarbeitslosen, bei denen die Schulzeit länger zurückliegt, ist das wichtig. Eine Testsituation bedeutet auch immer Stress. Die Tatsache, dass sie den Test pausieren und sie im eigenen Tempo arbeiten können, hat sich absolut bewährt. Wir konnten beobachten, dass die Teilnehmer*innen so vom Anfang bis Ende durchweg stabil in ihrer Konzentration sind und dadurch bessere Leistungen abliefern. Wir sind auch von der aktuellen Technik und der neuen Nutzungsoberfläche überzeugt. Nach einer kurzen Einweisung sind die Kolleg*innen sehr eigenständig in der Bedienung und alles klappt super. Generell gibt es von meiner Seite als übergeordnete Projektkoordination nur einen geringen Betreuungsaufwand.
Es wird schwierig, den MYSKILLS-Test einzusetzen, wenn die Teilnehmer*innen kaum sprachliche Kompetenzen haben, also auch nicht in ihrer Muttersprache alphabetisiert sind. Der Test ist allerdings so gut aufgebaut, dass eine nicht vorhandene Alphabetisierung schnell erkennbar wird und wir dann den Test relativ zügig abbrechen können. Auch digitale Kompetenzen sind für den Test relevant. Die Teilnehmer*innen sollten schon einmal an einem PC gesessen haben und wissen, wie man eine Maus bedient, also wie man etwas herunterziehen oder weiterklicken kann. Das hat sich tatsächlich als Besonderheit herausgestellt, dass das im Vorfeld auf jeden Fall geprüft werden sollte. Wenn Leute eine Maus nicht so gut bedienen können, bedeutet das für die Testleitung, dass sie ein wenig mehr Betreuungsaufwand in der Testdurchführung haben und die Teilnehmenden gegebenenfalls unterstützen müssen.
Sind Ihnen bestimmte positive Beispiele aus der Nutzung mit MYSKILLS besonders im Gedächtnis geblieben?
Einer unserer ersten Teilnehmer aus Düsseldorf hat den Test „Fachkraft Metalltechnik“ auf Rumänisch gemacht. Der Hintergrund war, dass das Jobcenter dem Teilnehmer die für die Tätigkeit notwendigen Schweißerscheine nicht bewilligen wollte. Das Jobcenter hat die Ablehnung damit begründet, dass das sprachliche Niveau noch nicht ausreichend genug wäre, da der Teilnehmer kein B2-Zertifikat vorlegen konnte. Unser Coach war aber der Ansicht, dass der Mann mündlich auf einem B2-Niveau sei und jedem Kurs unproblematisch folgen können würde. Also haben wir MYSKILLS eingesetzt und der Mann hat ein wirklich sehr gutes Ergebnis erzielt. In zwei von fünf Handlungsfeldern hatte er sogar das höchstmögliche Ergebnis erreicht, was außerordentlich selten ist. Mit diesem Ergebnis ist mein Kollege noch einmal zum Jobcenter gegangen und konnte erwirken, dass der Teilnehmer die Schweißerscheine als Bildungsgutschein machen konnte.
Es gibt viele weitere positive Beispiele, an die ich mich erinnere. Ich habe vorhin schon den Teilnehmer erwähnt, der den Metalltechnik-Test gemacht hat und von seinem guten Ergebnis überrascht war, obwohl er ja schon einige Jahre nicht mehr in dem Beruf gearbeitet hatte. Er konnte sich mit dem Testergebnis bewerben und hat daraufhin eine Anstellung gefunden. Wir sehen hier immer wieder, dass die Teilnehmer*innen, die gute Ergebnisse erzielen, diese erfolgreich im Bewerbungsprozess nutzen können. Wenn wir mit dem Test sehen, dass bestimmte Fähigkeiten noch fehlen, können wir dazu passende Teilqualifizierungen anbieten. Wenn wir beispielsweise feststellen, dass eine Person im Handlungsfeld „Kassieren“ beim Verkäufer-Test am schlechtesten abgeschnitten hat, bieten wir der Person die passende Qualifizierung an. Die Person kann sich vielleicht sogar zur externen Prüfung anmelden und den ganzen Berufsabschluss nachträglich anerkennen lassen.
MYSKILLS ist für uns einfach ein sehr passendes Tool, das wir als Bildungsträger einsetzen können, sei es für die Vermittlung in Arbeit oder auch für Coaching oder für die Entscheidungsfindung, ob wir eine Weiterbildung empfehlen sollen oder nicht. Die Zertifikate kommen bei den Teilnehmenden auch immer sehr gut an und werden als wertig empfunden.
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