Ein Kompass für das deutsche Bildungssystem
Editorial
Der Bildungsbericht bündelt ganz unterschiedliche Datengrundlagen – von amtlichen Statistiken bis hin zu Surveydaten – und macht damit Entwicklungen innerhalb einzelner Bildungsbereiche als auch über deren Grenzen hinweg sichtbar. In dieser Zusammenschau liegt seine besondere Stärke: Aus vielen einzelnen Befunde entsteht ein Gesamtbild des Bildungssystems, das zeigt, wo zentrale Herausforderungen liegen und wie sie miteinander zusammenhängen. Bildungsmonitoring verändert das Bildungssystem nicht unmittelbar, aber es verändert die Grundlage, auf der wir darüber sprechen. Genau darin liegt seine Wirkung.
Autor*innen: Josefine Lühe, Kai Maaz & Elisabeth Cassebaum
Kontakt: Josefine Lühe
Die Vorgeschichte
Die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien waren ein Weckruf für die deutsche Bildungspolitik. Sie machten Leistungsdefizite und soziale Ungleichheiten sichtbar und führten zu einem neuen Anspruch: Bildung systematisch zu erfassen und über die gesamte Bildungsbiografie hinweg zu betrachten.
Ein neuer Blick auf Bildung

Ende der 1990er-Jahre zeigte sich eine unbequeme Wahrheit: Deutsche Schüler*innen schnitten im internationalen Vergleich deutlich schlechter ab als ihre Altersgenossen in anderen Ländern – und soziale Ungleichheiten bestimmten damals wie heute maßgeblich über Bildungschancen. Zuerst zeigte das die TIMS-Studie von 1997, im Jahr 2001 bestätigte die PISA-Studie das schlechte Ergebnis. Damit geriet der in den 1960er-Jahren formulierte bildungspolitische Grundsatz "Bildung ist Bürgerrecht" ins Wanken. Die Dramatik des Problems wurde damals nicht erkannt, da die Befunde vornehmlich auf das Abschneiden der Schüler*innen in den Leistungstests reduziert wurden. Heute wissen wir: die Tragweite reicht weit darüber hinaus, denn die Ergebnisse sind Ausdruck eines in Teilen dysfunktionalen Systems,
Als Reaktion darauf veränderte sich die politische Steuerungslogik: Statt wie bisher vor allem nach Input zu fragen – etwa wie viel Geld investiert wird oder wie viele Lehrkräfte es gibt – rückte der Output in den Mittelpunkt. Entscheidend wurde, was am Ende herauskommt: ob Kinder genug lernen, gute Abschlüsse erreichen oder ob sie dabei die gleichen Chancen haben.
Mit den Konstanzer Beschlüssen von 1997 entschied die Kultusministerkonferenz (KMK) die Qualität des Bildungssystems künftig genauer zu prüfen.

Dafür brauchte es ein Instrument, das im Blick behält, wie Bildung in Deutschland entlang der gesamten Biografie funktioniert.
Im Jahr 2006 erschien erstmals der nationale Bildungsbericht – ein Meilenstein, denn er ist eine systematische, auf verlässlichen Daten beruhende Gesamtbewertung des Bildungssystems und damit ein entscheidender Impulsgeber für die Bildungspolitik. Die Federführung übernahm von Beginn an das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.
Das Projekt
Der nationale Bildungsbericht erstellt aus einer Vielzahl von Daten ein Gesamtbild. Ein interdisziplinärer Verbund analysiert Entwicklungen entlang der gesamten Bildungsbiografie und sichert die Ergebnisse durch einen mehrstufigen wissenschaftlichen Prozess ab.
Ein Bericht, viele Perspektiven
Der nationale Bildungsbericht ist ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Forschungseinrichtungen sowie der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Er erscheint alle zwei Jahre und nimmt alle Bildungsbereiche in den Blick – von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter – und analysiert die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen des deutschen Bildungssystems. Ein wechselndes Schwerpunktkapitel vertieft jeweils ein Thema. Damit bietet der nationale Bildungsbericht wertvolles Orientierungswissen für bildungspolitische Entscheidungen
Ein Bericht, der nie Pause macht
Die Arbeit am nationale Bildungsbericht folgt einem festen, zweijährigen Rhythmus. Kaum ist eine Ausgabe publiziert, startet das Team in die nächste Runde – getreu dem Motto: Nach dem Bericht ist vor dem Bericht.
Der Ablauf ist immer ähnlich:
(1) Themen festlegen
Vertreter*innen aller beteiligten Institutionen entscheiden, welche Themen wichtig sind und welche Daten dafür genutzt werden können.
(2) Dynamisches Schreiben und Prüfen
Daten werden analysiert, Kapitel verfasst und überarbeitet.
(3) Rückmeldungen einholen
Zwischenberichte und konzeptionelle Entwürfe werden regelmäßig an Bund und Länder sowie den wissenschaftlichen Beirat übermittelt. Rückmeldungen sind erwünscht, aber nicht bindend. Der Prozess bleibt wissenschaftlich unabhängig.
(4) Veröffentlichen und erklären
Die Veröffentlichung wird von einer Pressekonferenz und einer Fachtagung begleitet. Presseanfragen, Hintergrundgespräche, weitere Publikationen und Vorträge gehören natürlich auch dazu.
Ein Verbund mit hoher Expertise
Der nationale Bildungsbericht ist kein Projekt einer einzelnen Einrichtung. Die Autor*innengruppe setzt sich einerseits aus renommierten Forschungsinstitutionen sowie der statistischen Expertise von Bund und Ländern zusammen:
- DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Allgemeinbildende Schule und Schwerpunktthema sowie Federführung und Gesamtkoordination)
- Deutsches Jugendinstitut (DJI) (Frühe Bildung)
- Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) (Hochschulbildung)
- Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) (Bildungsverläufe, Kompetenzentwicklung und Erträge)
- Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) (Berufliche Bildung)
- Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) (Weiterbildung)
- Statistisches Bundesamt (Destatis)
- Statistischen Ämter der Länder
Bei Bedarf werden weitere Akteur*innen einbezogen, etwa das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) oder das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) in die Ausführung von Analysen. Das entstehende Gesamtbild könnte keine einzelne Einrichtung liefern.
Indikatoren als Rückgrat
Der Bericht arbeitet mit Indikatoren. Das sind große Themen, wie zum Beispiel Personal oder Leistungen. Zu jedem Indikator gehören sogenannte Kennziffern, zum Beispiel wie alt Lehrkräfte sind oder welche Abschlüsse Schüler*innen erreichen.
Qualitätssicherung als Markenzeichen
Der Bericht basiert ausschließlich auf hochwertigen Datengrundlagen, darunter amtliche Daten wie Mikrozensus, Schulstatistiken sowie etablierte Surveys wie der ALLBUS oder große Längsschnittstudien, etwa NEPS oder SOEP. Jede Analyse durchläuft mehrstufige Prüfprozesse und wird von verschiedenen Expert*innengruppen kommentiert: “Da kann es schon auch mal sein, dass jemand kritisch zurückmeldet: ‚Die Stichprobe ist vielleicht zu klein‘ – und dann diskutieren wir das“, erklärt Dr. Josefine Lühe.
Die Ergebnisse
Soziale Ungleichheit, Fachkräftemangel oder die Folgen der Corona-Pandemie: Der nationale Bildungsbericht bündelt Daten aus unterschiedlichen Quellen und zeigt, wie sich zentrale Herausforderungen durch verschiedene Bildungsbereiche und über die gesamte Bildungsbiografie ziehen.
Die zentralen Befunde im Überblick
Eigentlich erhebt das Team um den nationalen Bildungsbericht keine eigenen Daten. Dennoch werden neue Erkenntnisse gewonnen, etwa durch zusätzliche Abfragen in den Ländern, die eine noch genauere Analyse wichtiger Themen ermöglichen, etwa die Erhebung und Systematisierung der Maßnahmen in den Ländern zum Abbau von Bildungsungleichheiten. Sein eigentlicher Mehrwert liegt jedoch darin, Informationen zu bündeln, zu interpretieren und Muster über die Spezifik eines Bildungsbereichs sichtbar zu machen, die sonst übersehen würden.

Viele der Befunde sind zwar einzeln verfügbar – etwa über PISA, IGLU oder amtliche Statistiken -, aber nicht systematisch vergleichbar und schon gar nicht über die gesamte Bildungsbiografie hinweg interpretierbar. Der Evaluationsbericht 2025, der von einer unabhängigen Evaluationskommission erstellt wird, hebt deshalb die „zentrale Funktion“ des nationalen Bildungsberichts innerhalb des Bildungsmonitorings hervor, weil er systematisch Zusammenhänge herstellt und ein „Bild des Ganzen“ erfahrbar macht (S. 22). Der Evaluationsbericht 2023 sieht das „Alleinstellungsmerkmal“, „in der Synthese von statistischem Datenmaterial und Stichprobenuntersuchungen unter Hinzuziehung wissenschaftlicher Literatur“ (S.9).
Zentrale und wiederkehrende Befunde
Zwei Themen treten seit dem Jahr 2006 konsequent zutage:
- Soziale Ungleichheit
Bildungschancen hängen in Deutschland stark von sozialer Herkunft ab. Dieser Befund steht bereits im ersten Bericht aus dem Jahr 2006. - Fachkräftemangel
Auch der Mangel an gut ausgebildetem Personal ist seit vielen Jahren sichtbar. Der Bericht zeigt vor allem, wie sich dieser Befund durch die gesamte Bildungskette zieht.
Und schließlich zeigen die bisherigen nationale Bildungsberichte deutlich: Bildungsmonitoring allein kann nur begrenzt etwas bewirken. Für sich genommen reicht es nicht aus, um Lernerfolge zu sichern und Chancengleichheit herzustellen, aber es kann die Grundlage für bildungspolitisches Agieren bieten.
Der Bericht hat zudem Entwicklungen sichtbar gemacht, die zuvor nicht im bildungspolitischen Fokus standen:
- Übergangssektor (2006): Der nationale Bildungsbericht beschrieb erstmals systematisch die Phase zwischen Schule und Ausbildung.
- Corona-Pandemie (2022): Der Bericht bot eine erste umfassende Gesamtschau darüber, wie sich Corona auf Bildung über die gesamte Bildungsbiografie hinweg ausgewirkt hat.
Impulsgeber oder zahnloser Tiger?
Der nationale Bildungsbericht beschreibt Entwicklungen, bewertet sie aber nicht politisch und gibt keine konkreten Handlungsempfehlungen – das ist Absicht. Im Evaluationsbericht aus dem Jahr 2015 stellt die unabhängige Evaluationskommission fest, dass dies die Neutralität und Glaubwürdigkeit stärkt. Die Entscheidungsträger*innen sollen selbst Schlüsse ziehen. Auch im Evaluationsbericht 2023 wird der nationale Bildungsbericht als „Instrument des rationalen Diskurses zu Bildungsfragen“ bezeichnet und dies wird als ein „hohes Gut“ angesehen, insbesondere hinsichtlich der „breiten Akzeptanz des Berichts über Parteigrenzen hinweg“ (S. 15). Gleichwohl entsteht dadurch ein Spannungsverhältnis: Einerseits schützt die Zurückhaltung vor politischer Vereinnahmung, andererseits kann der nationale Bildungsbericht als zahnloser Tiger wahrgenommen werden. Seine Aufgabe bleibt: Entwicklungen sichtbar machen und gleichzeitig zentrale Herausforderungen konkret zu benennen.
Folgen und Impact
Der nationale Bildungsbericht hat dazu beigetragen, eine stärkere Evidenzkultur im deutschen Bildungswesen zu etablieren. Heute dient er Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit als gemeinsame Grundlage, um über Entwicklungen und Herausforderungen zu diskutieren.
Eine neue Evidenzkultur
Heute gilt der nationale Bildungsbericht als unverzichtbare Größe im deutschen Bildungsdiskurs. Er beeinflusst Wahrnehmung, Entscheidungsprozesse und Debatten und schafft erstmals eine gemeinsame nationale Sicht auf ein föderal organisiertes System, in dem Zuständigkeiten traditionell zersplittert sind. Seine Wirkung zeigt sich nicht als lauter Paukenschlag, sondern als eine wichtige Grundlage, auf der über Bildung nachgedacht, gestritten und entschieden wird.
Politische Bedeutung
Wer Bildungsfragen in Deutschland diskutiert, kommt am nationalen Bildungsbericht nicht vorbei. Er ist mehr als eine Datensammlung, er ist ein Referenzrahmen. Kaum ein anderes Instrument hat den bildungspolitischen Diskurs seit dem Jahr 2006 so geprägt. Die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka erklärte am 16. November 2016:
Um etwas über die Situation der Bildung in Deutschland zu erfahren, haben wir den Bildungsbericht (...). Ich sage: Gott sei Dank, weil wir deshalb nämlich nicht auf Polemik angewiesen sind, sondern aufgrund handfester Fakten diskutieren können.
Der nationale Bildungsbericht sättigt Debatten mit Fakten – in einem Feld, in dem Daten nicht immer Teil der Diskussion waren. Zu diesem Schluss kommt auch der Evaluationsbericht 2023 und nennt den Bericht „ein wichtiges Element in der Rationalisierung der Bildungsdebatte in Deutschland“ – eine „Errungenschaft“ (S.3).
Formelle Verankerung im parlamentarischen Prozess
Der Bericht wird regelmäßig als Bundestagsdrucksache eingebracht – zuletzt 2024 (20/12870), ebenso 2022 (20/04980) und 2014 (18/2990). Damit ist er Teil der parlamentarischen Entscheidungsarchitektur. Diese Vorlagemodalität ist kein Verwaltungsakt: Was der Bundestag als Drucksache behandelt, gilt als legitime Referenzquelle staatlichen Handelns. Seine politischen Nutzungsspuren zeigen sich im parlamentarischen Raum:
- In den Wortprotokollen der 80. & 90. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung wurde der Bericht mehrfach als Argumentationsbasis herangezogen.
- In verschiedenen Unterrichtungen der Bundesregierung wird auf den Bericht Bezug genommen, u.a. in den Drucksachen 20/14115, 20/14120, 20/13790, 20/12358.
- Der Bericht dient als Belegquelle zur Beantwortung Großer und Kleiner Anfragen u.a. 20/14091, 20/12900, 20/14489.
- In den Plenarprotokollen der 176. & 193. Sitzung wurde er ebenfalls zitiert.
Diese Vielzahl an Verweisen zeigt: Der Bericht wird nicht nur gelesen, er wird benutzt.
Programmatische Wirkung
Koalitionsverträge greifen Problemlagen auf, die unter anderem im nationalen Bildungsbericht über Jahre sichtbar gemacht wurden, etwa den Fachkräftemangel. Er dient als empirische Grundlage, politische Maßnahmen wie die Ausbildungsplatzgarantie zu legitimieren.
Struktureller Impact im föderalen System
Bei der Anhörung der Evaluationskommission im Frühling 2015 attestieren politische Stakeholder dem nationalen Bildungsbericht, wesentlich zur Entwicklung einer Evidenzkultur im Bildungswesen beigetragen zu haben. Entscheidungen auf Basis von Zahlen statt Bauchgefühl – das war keine Selbstverständlichkeit. Bereits am 7. Dezember reagierte die Kultusministerkonferenz (KMK) gemeinsam mit dem BMBF explizit auf Befunde des Berichts und formulierte formulierte „grundlegende politische Forderungen“, etwa:
- Reformanstrengungen zu beschleunigen
- frühkindliche Bildung zu stärken
- die Kopplung von Bildungserfolg und Herkunft abzubauen
In ihrer Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring (2015) wird der Bericht eine „wichtige Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen“ genannt, der „für Transparenz über die Situation des Bildungswesens als Ganzes“ sorgt (S. 14).
Der Bericht ist damit nicht nur Impulsgeber, sondern architektonischer Teil des Steuerungssystems geworden. Mittlerweile liegt eine Vielzahl von Bildungsberichten auf Landes- und kommunaler Ebene vor, die sich am nationalen Bildungsbericht orientieren.
Rainer Schulz (ehem. Staatsrat Hamburg) zum Impact des Bildungsberichts
Breite Rezeption in Öffentlichkeit und Medien
Die mediale Wahrnehmung ist hoch. Die nachhaltige Nutzung zeigt sich im fortgesetzten Interesse an einzelnen Berichten (Stand Dezember 2025):

Hinzu kommen über 1.200 Medienbeitrage mit Bezug zum nationalen Bildungsbericht in den Jahren 2020, 2022 und 2024 – davon über 170 in überregionalen Leitmedien wie SPIEGEL, ZDF und News4teachers. Solche quantitativen Echos wurden von der Evaluationsgruppe 2015 ausdrücklich als Beleg für die Funktionalität und Relevanz des Berichts gewertet. Journalist*innen schätzen den Bericht nicht nur als Informationsquelle, sondern als Mittel zur Versachlichung eines oft emotional geführten Diskurses. Bei der Anhörung der Evaluationskommission im Frühling 2015 betonten Medienvertreter*innen, dass der Bericht „zur Versachlichung der bildungspolitischen Debatte“ beiträgt, in einem Feld, in dem „Mythen und Behauptungen eine besonders ausgeprägte Rolle“ spielen (S. 17).
Die Evaluationsgruppe 2015 hebt zudem das Pressehintergrundgespräch als wirkungsstarkes Format hervor: Ausgewählte Medien erhalten vorab Befunde unter Sperrvermerk – so können fundierte Berichte erscheinen, sobald der Bericht veröffentlicht wird.
Wissenschaft und Lehre
Prof. Dr. Harm Kuper (Freie Universität Berlin) über den Impact des Bildungsberichts in seiner Lehre
Persönlicher Impact
Wirkung zeigt sich nicht nur im System, sondern auch im Selbstverständnis der Autor*innen.

Prof. Dr. Kai Maaz

Dr. Josefine Lühe
Zukunft: Vom Monitoring zum lernenden System
Der Bericht hat sich in den vergangenen Jahren sowohl methodisch als auch institutionell weiterentwickelt. Neue Datenquellen, zusätzliche Autorenschaft und der zunehmende Einbezug längsschnittlicher Datenquellen stärken seine Aussagekraft.
Für die Zukunft ließe sich eine weitergehende Vision entwerfen: Die nationale Bildungsberichterstattung könnte sich von einem primär rückblickenden Instrument zu einem lernenden, zukunftsorientierten und handlungsrelevanten Steuerungsinstrument weiterentwickeln. Bildungsdaten könnten systematischer verknüpft, Bildungsverläufe über die Zeit hinweg nachvollziehbar gemacht und Wirkungen bildungspolitischer Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden. Zugleich könnte der nationale Bildungsbericht enger mit regionalen und thematischen Berichtssystemen verzahnt werden, um Bildung im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen ganzheitlich zu betrachten und evidenzbasiertes Handeln zu unterstützen.
Big Picture: Ein Kompass für das Bildungssystem
Der nationale Bildungsbericht zeigt, wo Risiken bestehen, und welche Entwicklungen bleiben. Er verändert das Bildungssystem nicht direkt, aber er verändert die Grundlagen, auf denen Bildung verstanden, verhandelt und gesteuert wird.