Das Projekt
GesUB setzt neue Maßstäbe für evidenzbasierte Bildungsforschung. Unter komplexen Bedingungen – standortübergreifend und teilweise während der COVID-19-Pandemie – entstand eine umfassende Forschungssynthese, die methodische Transparenz, interdisziplinäre Perspektiven und wissenschaftliche Sorgfalt vereint.
Systematic Review in der Bildungsforschung?
Der Anspruch von GesUB war klar: eine methodisch fundierte Forschungssynthese, die zeigt, wo belastbare Erkenntnisse vorliegen und wo nicht.
Wir wollten nicht nur den Forschungsstand zusammentragen, sondern ihn systematisch erfassen, analysieren und sichtbar machen.
Anna Bachsleitner, Projektteam
Das Projektteam sichtete über 33.000 Publikationen und analysierte 568 Studien aus dem Zeitraum der Jahre 2000 bis 2020. Im Fokus standen soziale Ungleichheiten entlang des gesamten Bildungsverlaufs: von der frühkindlichen Bildung bis zur nachschulischen Bildung (berufliche und Hochschulbildung). Die Studien wurden nach einheitlichen Kriterien ausgewählt, codiert und analysiert – unabhängig davon, ob ihre Ergebnisse statistisch signifikant oder erwartbar waren. Berücksichtigt wurden quantitative, qualitative und Mixed-Methods-Studien, darunter auch sogenannte graue Literatur, also nicht im Verlagswesen veröffentlichte Publikationen (z.B. Konferenz- oder Projektberichte) sowie Dissertationen.

Zu Beginn stieß das Vorhaben auf eine Mischung aus Begeisterung und Skepsis. Einerseits gab es Zuspruch: „Super, dass ihr das machen wollt, das brauchen wir.“ Andererseits kamen Zweifel auf: „Wie wollt ihr das alles schaffen?“ Die Bandbreite, die Komplexität und die schiere Masse an Studien machten GesUB zu einem einzigartigen Projekt. Zugleich setzte es neue methodische Standards in der Bildungsforschung. Systematic Reviews, in der Medizin längst etabliert, sind im Bildungsbereich bislang selten. GesUB hat dazu beigetragen, diese Methode bekannter zu machen und ihre Relevanz für evidenzbasierte Politikberatung zu unterstreichen.
Für das Team war die Mitarbeit an GesUB nicht nur fachlich spannend, sondern auch persönlich bereichernd.
Das ist kein Projekt, das man nebenher macht – es ist ein Herzensthema. Und die intensive Zusammenarbeit im Team hat uns auch menschlich stark verbunden.
Anna Bachsleitner, Projektteam
Und ohne dieses Team wäre das Projekt gar nicht möglich gewesen. GesUB wurde am DIPF in zwei Abteilungen und über zwei Standorte hinweg durchgeführt – teilweise unter den schweren Bedingungen der Corona-Pandemie. Videokonferenzen waren zu Beginn noch nicht selbstverständlich. „Wir haben manchmal stundenlang telefoniert, um unsere Codierungen abzugleichen – mit dem Hörer am Ohr und der Codiermaske vor uns“, so Ronja Lämmchen aus dem Projektteam.
Verlässlichkeit, Vertrauen und ein gemeinsames Ziel waren die Basis für das Gelingen.