75 Jahre DIPF: Bildung verstehen, Veränderung ermöglichen
Bildung befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Soziale Ungleichheiten, demografische Veränderungen, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, veränderte Lernvoraussetzungen sowie der zunehmende Fachkräftebedarf stellen das Bildungssystem vor neue Herausforderungen. Damit langfristig tragfähige Veränderungen entstehen können, braucht es verlässliche Daten, exzellente Forschung, dauerhaft zugängliche Informationsangebote und einen engen Austausch zwischen der Wissenschaft und den unterschiedlichen Bereichen der Bildungspraxis.
Für diese Leistungen steht das DIPF seit seiner Gründung am 25. Oktober 1951. Das Leibniz-Institut mit Standorten in Frankfurt am Main und Berlin untersucht Bedingungen, Prozesse und Ergebnisse von Bildung. Es stellt wissenschaftliche Informationen, Forschungsdaten und digitale Instrumente bereit und arbeitet gemeinsam mit Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Bildungsadministration, Politik und anderen Forschungseinrichtungen daran, Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Bildungswesens nutzbar zu machen.
„75 Jahre DIPF sind für uns Anlass, auf eine erfolgreiche Geschichte zurückzuschauen – vor allem aber, unseren Blick nach vorn zu richten“, sagt Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF, und betont: „Das Bildungssystem erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Dafür braucht es exzellente Forschung, verlässliche Daten und Infrastrukturen sowie die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Erfahrungen aus Praxis, Administration und Politik zu verbinden. Unser Anspruch ist es, den Bildungswandel nicht nur zu beschreiben, sondern Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass er wissensbasiert, verantwortungsvoll und gerecht gestaltet werden kann.“
„Bildung ist das Fundament einer innovativen und resilienten Gesellschaft. Die Forschung und die Infrastrukturen des DIPF schaffen die wissenschaftlichen Grundlagen, die wir benötigen, um unser Bildungswesen zukunftsfähig zu machen. Damit löst das DIPF auf besondere Weise den Anspruch ein, der für die Institute der Leibniz-Gemeinschaft charakteristisch ist: mit wissenschaftlicher Arbeit einen Unterschied im Leben der Menschen zu erwirken“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft.
Forschung, Infrastruktur und Transfer unter einem Dach
Das besondere Profil des DIPF liegt in der engen Verbindung von Bildungsforschung, wissenschaftlicher Infrastruktur und Wissenstransfer. Diese drei Arbeitsbereiche ergänzen und verstärken sich gegenseitig.
Für die Beobachtung und Analyse des Bildungssystems koordiniert das DIPF unter anderem den nationalen Bildungsbericht und wirkt an internationalen Schulleistungsstudien wie PISA und ICILS mit. Mit dem IDeA-Zentrum erforscht es frühe Entwicklungs- und Lernprozesse. Das TBA-Zentrum entwickelt innovative digitale Verfahren zur Erfassung von Kompetenzen. Im Campusschulprogramm arbeitet das Institut langfristig mit Schulen an Fragen der Unterrichts- und Schulentwicklung. Im Rahmen des Startchancen-Programms untersucht das DIPF gemeinsam mit zahlreichen kooperierenden Einrichtungen, wie nachhaltige Verbesserungen für Schulen in herausfordernden Lagen entstehen und im Bildungssystem verankert werden können.
Zugleich stellt das Institut zentrale Infrastrukturen für Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit bereit. Dazu gehören der Deutsche Bildungsserver, das Fachportal Pädagogik, der Verbund Forschungsdaten Bildung und die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung. Sie erschließen wissenschaftliches Wissen, sichern Forschungsdaten, eröffnen Zugänge zu Fachinformationen und bewahren Quellen zur Geschichte von Bildung und Erziehung.
75 Jahre: Von der Institutsentwicklung zur Zukunftsfrage
Das DIPF wurde 1951 als rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet. Seit 1977 wird es gemeinsam von Bund und Ländern gefördert – zunächst im Rahmen der sogenannten „Blauen Liste“, dann als Mitglied der heutigen Leibniz-Gemeinschaft, die daraus hervorgegangen ist.
Im Verlauf seiner Geschichte hat das Institut sein Aufgabenprofil kontinuierlich erweitert. Zu seiner Forschungsstärke traten umfangreiche wissenschaftliche Informations- und Forschungsinfrastrukturen hinzu. Wichtige Meilensteine waren dabei untern anderem die Aufnahme der heutigen Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung im Jahr 1992 und die Gründung des Informationszentrums Bildung im Jahr 2001. Seit 2015 ermöglicht zudem der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte und am Institut koordinierte „Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung“ als Teil des Fachportals Pädagogik den wissenschaftlichen Zugriff auf internationale Fachliteratur.
Heute versteht sich das DIPF als ein Institut, das Forschung, Infrastruktur und Transfer nicht nebeneinanderstellt, sondern systematisch miteinander verbindet. Das Jubiläum markiert deshalb nicht nur 75 Jahre Institutsgeschichte. Es eröffnet zugleich die Frage, welchen Beitrag Wissenschaft angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen künftig für Bildung leisten muss.
Jubiläumsfest: Wo reicht Evolution, wo braucht es Revolution?
Diese Zukunftsfrage steht im Mittelpunkt des Festakts am 4. November 2026 in Frankfurt am Main. Unter dem Titel „Bildung im Wandel – Wo reicht Evolution und wo braucht es Revolution?“ diskutiert das DIPF, in welchen Bereichen sich Bildung schrittweise weiterentwickeln lässt und wo grundlegende Veränderungen notwendig sind.
Den Festvortrag hält Prof. Dr. Petra Stanat, Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Weitere Wegbegleiter*innen des DIPF nehmen die Entwicklung des Instituts und der Bildungsforschung in den Blick. Eine Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus der Schulpraxis richtet den Fokus auf gegenwärtige Herausforderungen und notwendige Veränderungen. Musik sowie Führungen durch die Ausstellung „Tatsache Bildung. 75 Jahre Institutsgeschichte des DIPF“ ergänzen das Programm.
75 Einblicke in das DIPF
Während des Jubiläumsjahres öffnet das DIPF auf einer eigenen Internetseite Türen zu seiner Arbeit und seiner Geschichte. Die Beiträge stellen Menschen und Projekte vor, zeigen Fundstücke aus dem Archiv, führen in die Büros von Mitarbeitenden und erläutern in Kurzvideos wichtige Leistungen des Instituts. Bis zum Ende des Jahres entstehen insgesamt 75 Einblicke.
Die Entwicklung des Instituts wird auch in der genannten Ausstellung „Tatsache Bildung“ erlebbar – vom 26. Oktober bis 17. November zunächst am DIPF in Frankfurt am Main und ab 2. Dezember dann am Berliner Institutsstandort.
Kontakt und weitere Informationen
DIPF-Jubiläum: Prof. Dr. Kai Maaz, +49 (0)69 24708-200, ay5tYWF6QGRpcGYuZGU=
Presse: Anke Wilde, +49 (0)69 24708-824, YS53aWxkZUBkaXBmLmRl
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