Die Vorgeschichte
Die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien waren ein Weckruf für die deutsche Bildungspolitik. Sie machten Leistungsdefizite und soziale Ungleichheiten sichtbar und führten zu einem neuen Anspruch: Bildung systematisch zu erfassen und über die gesamte Bildungsbiografie hinweg zu betrachten.
Ein neuer Blick auf Bildung

Ende der 1990er-Jahre zeigte sich eine unbequeme Wahrheit: Deutsche Schüler*innen schnitten im internationalen Vergleich deutlich schlechter ab als ihre Altersgenossen in anderen Ländern – und soziale Ungleichheiten bestimmten damals wie heute maßgeblich über Bildungschancen. Zuerst zeigte das die TIMS-Studie von 1997, im Jahr 2001 bestätigte die PISA-Studie das schlechte Ergebnis. Damit geriet der in den 1960er-Jahren formulierte bildungspolitische Grundsatz "Bildung ist Bürgerrecht" ins Wanken. Die Dramatik des Problems wurde damals nicht erkannt, da die Befunde vornehmlich auf das Abschneiden der Schüler*innen in den Leistungstests reduziert wurden. Heute wissen wir: die Tragweite reicht weit darüber hinaus, denn die Ergebnisse sind Ausdruck eines in Teilen dysfunktionalen Systems,
Als Reaktion darauf veränderte sich die politische Steuerungslogik: Statt wie bisher vor allem nach Input zu fragen – etwa wie viel Geld investiert wird oder wie viele Lehrkräfte es gibt – rückte der Output in den Mittelpunkt. Entscheidend wurde, was am Ende herauskommt: ob Kinder genug lernen, gute Abschlüsse erreichen oder ob sie dabei die gleichen Chancen haben.
Mit den Konstanzer Beschlüssen von 1997 entschied die Kultusministerkonferenz (KMK) die Qualität des Bildungssystems künftig genauer zu prüfen.

Dafür brauchte es ein Instrument, das im Blick behält, wie Bildung in Deutschland entlang der gesamten Biografie funktioniert.
Im Jahr 2006 erschien erstmals der nationale Bildungsbericht – ein Meilenstein, denn er ist eine systematische, auf verlässlichen Daten beruhende Gesamtbewertung des Bildungssystems und damit ein entscheidender Impulsgeber für die Bildungspolitik. Die Federführung übernahm von Beginn an das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.