Das DIPF, es lebe hoch!

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05.11.2026 Nachricht
Mit einem vielfältigen und stimmungsvollen Festakt hat das Institut seinen 75. Geburtstag gefeiert – mit Freunden und Wegbegleiter*innen, mit anregenden Vorträgen und Diskussionen, mit Rap und Poetry Slam.

Alles war vorbereitet im Casino der Goethe-Universität auf dem Campus Westend, in unmittelbarer Nachbarschaft des Frankfurter DIPF-Standorts. Buffet und Getränke waren organisiert, ein abwechslungsreiches Bühnen-Programm geplant, viele weitere Angebote wie ein Kino, eine Ausstellung zur DIPF-Geschichte und ein interaktives Gästebuch standen zum Anschauen und Mitmachen bereit. Und etliche Gäste folgten dem Ruf des DIPF an diesem 4. November. Insgesamt rund 400 Gäste kamen aus ganz Deutschland und der gesamten bildungswissenschaftlichen Welt, um mit dem Institut zu feiern und sich dem Thema der Veranstaltung zu widmen: „Bildung im Wandel – wo reicht Evolution und wo braucht es Revolution?“

Ein Anfang mit Beats, mit Vergangenheit und Zukunft

Mit viel Schwung ging es los: Die Rapagogen, ein Projekt, das Sozialarbeit und Hip-Hop verbindet, war mit zahlreichen jungen Künstler*innen auf der Bühne vertreten. Sie sorgten direkt für gute Stimmung im Saal. Zugleich machten sie deutlich, wie Engagement dieser Art Jugendlichen Selbstwirksamkeit ermöglichen kann.

Den Anfang der Redebeiträge der von Journalistin und Moderatorin Andrea Thilo begleiteten Veranstaltung machte dann Prof. Dr. Kai Maaz, der Geschäftsführende Direktor des DIPF. Er erinnerte zunächst daran, dass schon der Gründungsdirektor des Instituts, Erich Hylla, den Anspruch verfolgte, wissenschaftliche Erkenntnis mit der Entwicklung eines demokratischen Bildungswesens zu verbinden. Ein Ziel, dem das DIPF auch heute noch nachgeht, wenngleich Maaz darauf hinwies: „Ein Problem zu erkennen, bedeutet noch nicht, es lösen zu können.“ Und hier zeige sich der Wert der Arbeit des DIPF, ergänzte der Soziologe: „Gerade deshalb braucht es Forschung, verlässliche Infrastrukturen und Zusammenarbeit. Wissen gewinnen, erschließen, prüfen, bewahren und zugänglich machen: Diese Aufgaben tragen gemeinsam unseren Auftrag. Transfer und Kommunikation eröffnen dabei Austausch und Verständigung.“

Grüße aus der Politik

Es folgten Grußworte der wichtigsten Fördergebenden des von Bund und Ländern getragenen Instituts: Dr. Petra Bahr, Staatsekretärin beim BMBFSFJ, erinnerte ebenso daran, dass der Rückblick auf die Geschichte des DIPF immer auch Auftrag für die Zukunft sei: „75 Jahre DIPF – das heißt 75 Jahre lernen und noch lange nicht am Ziel sein.“ Auf diesem Weg leiste das DIPF aber unverzichtbare Arbeit als Unterstützung für Politik und Praxis, so Bahr. Exemplarisch zeige sich das etwa am vom DIPF koordinierten CHANCEN-Verbund, der das Startchancen-Programm für Schulen in sozial herausfordernden Lagen wissenschaftlich begleitet. Für kommende Aufgaben machte Bahr dem DIPF Mut – mit einem Zitat von Catharina Elisabeth Goethe, der Mutter von Johann Wolfgang Goethe und sechs weiteren Kindern: „Wirf dein Herz über das Hindernis und spring ihm nach.“

Timon Gremmels, hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, betonte in seinem Grußwort die außergewöhnliche Stellung, die sich das Institut erarbeitet hat: „Das DIPF verbindet international anerkannte Bildungsforschung, starke Kooperationen in die hessische Wissenschaftslandschaft und den Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse in Schulen, Kitas und Politik zu bringen.“ Dabei hob er beispielhaft das DYNAMIC-Zentrum hervor, an dem das DIPF beteiligt ist. Es wird im Rahmen des hessischen LOEWE-Förderprogramms für Spitzenforschung finanziert und untersucht die Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen.

Anregungen und Diskussionen

Es folgte ein Austausch mit Prof. Dr. Enrico Schleiff, dem Präsidenten der Goethe-Universität Frankfurt, der wichtigsten Partnereinrichtung des DIPF, sowie mit Dr. Martin Mittelbach, dem Vizepräsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, deren Mitglied das DIPF ist. Anschließend widmeten sich Prof. Dr. Susanne Kuger (Deutsches Jugendinstitut) und Prof. Dr. Hans Anand Pant (Humboldt-Universität zu Berlin) in zwei spannenden Vorträgen vor allem der Bedeutung und den Herausforderungen des Wissenstransfers.

Das Programm ging dann in eine Podiumsdiskussion über. Dabei stand zuvorderst das Veranstaltungsthema auf der Agenda von Prof. Dr. Yvonne Anders, Direktorin der DIPF-Abteilung „Entwicklung in Bildungskontexten“, Bildungsjournalist Jan-Martin Wiarda und Antje Buschmann, Leiterin der mit dem Deutschen Schulpreis geehrten Questenberg-Grundschule. Die Frage nach Evolution oder Revolution wurde anhand konkreter Fragen debattiert: 1. Müssen wir noch individueller auf Kinder und Jugendliche eingehen? 2. Was muss sich in der Lehrkräftebildung ändern? 3. Wie kann es zu einer Aufwertung der frühen Bildung kommen? Die verschiedenen Perspektiven der Diskutant*innen zeigten sich unter anderem bei der Abschlussfrage, woran man in Zukunft erkennen wird, dass heute die richtigen Entscheidungen für das Bildungssystem getroffen worden sind: Jan-Martin Wiarda wünschte sich einen gestärkten und evidenzbasierten Austausch der mit Bildung befassten Personen und Professionen, Yvonne Anders einen gesunkenen Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg und Antje Buschmann, dass die Kinder noch stärker im Mittelpunkt stehen.

Auf dem Thema des Festaktes lag auch der Fokus der Festrede von Prof. Dr. Petra Stanat (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen). Sie wies unter anderem darauf hin, dass die konkrete Ausgestaltung und Definition von Evolution und Revolution diskussionswürdig seien. Und dass es für beides auf jeden Fall viel harte Kärrnerarbeit von Seiten der Wissenschaft benötige. Es gelte beispielsweise, Wissen zu generieren und bereitzustellen, Möglichkeiten und Grenzen aufzuzeigen, zu beraten und zu unterstützen. Dass dies dem Institut bereits gut gelingt, daran ließ die Forscherin keinen Zweifel: „Wenn es das DIPF nicht gäbe, müsste man es erfinden!“ 

Reime zum Schluss

Bevor es dann zum geselligen Teil des Abends überging, gehörte die Bühne dem Poetry Slammer Lars Ruppel. In seinem „Poetic Recording“ fasste er die gesamte Veranstaltung in wenigen Abschnitten und in Versform launig zusammen. Dabei ließ er es sich auch nicht nehmen, die zuvor gehörten Beiträge mit ihren vielen Kommas und Fachbegriffen ein wenig hochzunehmen. Dem Publikum gefiel es: Das offizielle Programm ging mit frenetischem Jubel und viel Applaus zu Ende.

Auf weitere 75 Jahre mit dem DIPF!

  • Zahlreiche Fotos bieten Eindrücke des Festakts.
  • Eine eigene Website bietet anlässlich des Jubiläums spannende und ungewöhnliche Einblicke in die Arbeit des DIPF – mit Besuchen in den Büros der Mitarbeitenden, Highlights aus dem Archiv, „75 Sekunden“-Videos und vielem mehr.
  • Zahlreiche namhafte Gratulant*innen haben dem DIPF Video-Grußbotschaften
  • Die Entwicklung des Instituts wird auch in der Ausstellung „Tatsache Bildung. 75 Jahre Institutsgeschichte des DIPF“ erlebbar – vom 26. Oktober bis 17. November am DIPF in Frankfurt am Main und ab 2. Dezember am Berliner Institutsstandort.