Was braucht das Schulsystem?
Etatkürzungen, Lehrkräftemangel, Digitalisierung, Hitzeschutz, Ganztagsbetreuung: Das hessische Schulsystem steht zum neuen Schuljahr vor zahlreichen Herausforderungen und das HR-Angebot „Der Tag“ hat den damit verbunden Fragen eine ganze Radio-Sendung gewidmet. Dazu hat der Sender auch mit DIPF-Bildungsforscher Kai Maaz gesprochen und dabei einen Fokus auf den Bildungsföderalismus gelegt. Angesprochen darauf, ob dieser nicht wechselseitige Lern-Effekte der Bundesländer mit sich bringe, urteilte Maaz: „Ich sehe das Voneinander-Lernen nicht in der Form, wie man sich das wünschen würde.“ Abschlüsse, Anforderungen, Unterstützungssysteme, Bildungswege unterschieden sich noch zu stark, so der Soziologe, auch wenn es mit gemeinsamen Bildungsstandards und Aufgaben für das Abitur schon gute Ansätze gebe.
Das Überführen des Föderalismus in ein zentral gesteuertes Bildungssystem hält er wiederum für unrealistisch und würde darauf keine Zeit verschwenden. Zumal: „Auch in der internationalen Forschung gibt es keine Hinweise auf ein effektiver zentral gesteuertes System“, so Maaz. Es plädiert stattdessen für eine verbindlichere Form der Zusammenarbeit und nennt ein positives Beispiel, wie sich aus Austausch eine gemeinsame Linie entwickelt hat: „In allen 16 Ländern gibt es das Bemühen, Schul- und Unterrichtsentwicklung viel, viel stärker an Daten zu orientieren.“ Zum Abschluss wurde der Forscher noch befragt, was das Schulsystem braucht, um zeitgemäß zu sein. Seine Einordnung: „Unser Schulsystem braucht eine Vision, wo wir in zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren hinwollen, um das System dann daraufhin zu entwickeln und nicht innerhalb von Legislaturperioden von vier, fünf Jahren zu denken und zu planen.“