Wir sind kein Hotel!

Wer in den 1950er Jahren die damalige HIPF besuchte, musste sich auch trotz des großen Wohnungsmangels keine Sorgen um die Übernachtung machen. Das Gebäude in der Frankfurter Schloßstraße verfügte über mehr als zwanzig „besonders gut möblierte Wohnzimmer“, die vorwiegend an Tagungsgäste, zeitweilige Mitarbeiter oder ausländische Stipendiaten vermietet wurden. Ihr primärer Nutzungszweck für die Beherbergung von Lehrkräften (zeitweiligen Mitarbeitern), welche sich zur Lehreraus- und Fortbildung an das DIPF abordnen lassen konnten. Die Abordnungen dienten der wissenschaftlichen Arbeit oder der Qualifikation für Führungspositionen der Schulverwaltung.

Um die Hochschulkasse aufzufüllen, bemühte sich die Hausverwaltung aber auch um fremde Mieter – vor allem um die zahlreichen Geschäftsleute, die zu den Messezeiten Unterkünfte brauchten. In den 1970ern Jahren wurden anfangs Wissenschaftler aus den europäischen „Ostblockstaaten“ untergebracht, später auch aus anderen Ländern wie den USA, Japan und der gesamten Sowjetunion. Das „Fremdenbuch“ der HIPF führt neben Professoren, Studienräten und Studenten deshalb auch Vertreter, Kaufleute und Importeure aus vielerlei Ländern, die zehn Mark täglich oder 100 Mark im Monat für ein Gästezimmer zahlten – inklusive „Licht, Reinigung, Bettwäsche und Benutzung der Duschräume“. Auch ein Rollwagen für die Zubereitung von Kaffee, Wandschrank und Waschbecken standen in den Zimmern zur Nutzung bereit. Auf diese Weise nahm die Hochschule im Jahre 1955 etwa 15000 DM ein. Noch 1961, als es in Frankfurt wieder ausreichend Hotels und Fremdenzimmer gab, kamen rund 12 000 Mark zusammen.

Der Geschäftssinn der Verwaltung wurde dennoch nicht besonders gern gesehen: Nach mehreren Beschwerden aus dem Kreis der Mitarbeiter, die sich um ihre „ungestörte Forschungsarbeit“ oder ganz grundsätzlich um „die Würde eines wissenschaftlichen Institutes“ sorgten, schritt die Hochschulleitung im September 1963 ein. Zimmer durften nur noch an Personen vermietet werden, die dem Institut „durch ihre Arbeit oder durch Verwandtschaft mit im Hause wohnenden Mitarbeitern verbunden“ waren. Schließlich entfiel auch diese Möglichkeit: Weil Büroraum fehlte, wurden alle Gästezimmer bis auf drei nach 1970 schrittweise in Arbeitsräume umgewandelt.

 

Dokumente

 

Fremdenbuch der Hochschule für Internationale Pädagogische Forschung, 1956-1977
Institutsarchiv: DIPF_ZENDI (Zentrale Dienste), 12

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 Die letzte Eintragung im Fremdenbuch stammt aus dem Frühjahr 1977, als ein Wissenschaftler aus Glasgow für vier Tage Frankfurt und das DIPF besuchte.