„Wir müssen Bildungspolitik als zentrale Zukunftspolitik betrachten“
Die Jugendlichen seien zu Recht enttäuscht von der Bildungspolitik, sagt Prof. Maaz: „Wir weisen in Studien seit Jahren auf die Probleme hin, über die die Jugendlichen klagen: Personalmangel, Finanzlücken, Investitionsrückstände, Fachkräftemängel, eine behäbige Integration digitaler Ansätze.“
Der Investitionsstau bei der Sanierung von Schulgebäuden betrage mittlerweile 70 Milliarden Euro. Hier bestehe ein klarer Zusammenhang mit der Sozialstruktur: Schulen in schwierigen Lagen seien oft schlechter ausgestattet, anders als Schulen in Gegenden mit einer privilegierten Sozialstruktur, die notfalls auf ihren Förderverein zurückgreifen können.
Schulen in schwierigen Lagen bräuchten jedoch nicht nur mehr finanzielle Ressourcen, „sondern auch die besten Schulleitungen und die besten Lehrer. Aber das ist schwierig, weil die Besten da nicht hingehen“, unterstreicht der Bildungsforscher, der auch den CHANCEN-Verbund zur wissenschaftlichen Begleitung und Forschung für das Startchancen-Programm leitet.
Die Sorgen der Jugendlichen würden von der Bildungspolitik sehr ernst genommen, in den anderen Ressorts hingegen weniger, beklagt Kai Maaz. „Wir müssen Bildungspolitik als zentrale Zukunftspolitik betrachten.“ Das Thema gehöre aufgrund der Probleme in die Staatskanzleien und symbolisch auch ins Kanzleramt – auch wenn diese formal nicht zuständig seien.
Das komplette Interview mit dem „Spiegel“ steht hinter einer Bezahlschranke zur Verfügung.