Ganztag: Eltern wünschen sich Verlässlichkeit UND pädagogische Qualität
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Eltern mit Blick auf den Ganztag keine einheitliche Gruppe sind. Ob und warum Familien ein Angebot nutzen, hängt stark mit ihrer jeweiligen Lebenssituation zusammen“, sagt Dr. Amina Kielblock, die am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation die Erhebung federführend verantwortet hatte. Diese liefere wichtige Hinweise für den bevorstehenden Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Förderung im Grundschulalter. „Für Kommunen, Schul- und Ganztagsträger sowie die Einrichtungen selbst wird deutlich: Ganztagsschulen sollten nicht nur verlässliche Betreuung ermöglichen, sondern auch die pädagogischen Erwartungen der Familien berücksichtigen. Gerade nicht-akademische Familien wünschen sich vom Ganztag oft Unterstützung für das schulische Lernen. Es ist daher anzuraten, beim Ausbau des Ganztagsangebots jeweils vor Ort die Elternperspektive frühzeitig einzubinden.“
An der deutschlandweiten Fragebogenerhebung zur Betreuung und Bildung von Kindern im Grundschulalter hatten insgesamt 4.330 Eltern teilgenommen. Die Befragung wurde Ende 2024 im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Schule macht stark“ durchgeführt, dessen wissenschaftliche Begleitung am DIPF koordiniert wurde. Die verantwortlichen Wissenschaftler*innen erfassten, wie bestimmte Merkmale von Eltern und Familien wie Berufstätigkeit, Bildungshintergrund und Wohnort mit der Nutzung von Ganztagsangeboten zusammenhängen und welche Gründe Eltern für oder gegen eine Teilnahme nennen.
Die Befunde der Forschenden um Dr. Amina Kielblock machen deutlich, dass der Ganztag für viele Familien eine zentrale Infrastruktur im Alltag ist und dabei hilft, Erwerbsarbeit und Familienalltag miteinander zu vereinbaren. Unter den Befragten nutzten Alleinerziehende sowie Familien mit zwei erwerbstätigen Elternteilen besonders häufig ein Ganztagsangebot. Demgegenüber nahmen Familien mit nur einem erwerbstätigen Elternteil den Ganztag seltener in Anspruch und gaben häufiger an, keinen Platz zu benötigen. Gleichzeitig wurde der Ganztag bei vielen Eltern nicht nur als Betreuungsangebot wahrgenommen, sondern auch als ein pädagogisches. In der Befragung wurden etwa der Kontakt zu Gleichaltrigen, die Förderung von Selbstständigkeit und zusätzliche Möglichkeiten zur schulischen Unterstützung genannt.
Mit Blick auf den Bildungshintergrund der Eltern gab es in der tatsächlichen Nutzung kaum Differenzen: Sowohl akademische als auch nicht-akademische Eltern hatten ihre Kinder mehrheitlich im Ganztag angemeldet. Unterschiede registrierten die Forschenden aber bei den Erwartungen und Bewertungen – etwa bei der schulischen Unterstützung. So erhofften sich 64,4 Prozent der nicht-akademischen Eltern Beaufsichtigung und Unterstützung ihrer Kinder bei den Hausaufgaben, gegenüber 51,7 Prozent der Eltern mit akademischem Abschluss.
Nahmen Eltern keinen Ganztagsplatz in Anspruch, unterschieden sich auch hier die Beweggründe. Unter den Eltern ohne akademischen Abschluss gaben 22,1 Prozent an, sich wegen hoher Kosten gegen einen Ganztagsplatz entschieden zu haben, gegenüber 9 Prozent bei Eltern mit akademischem Abschluss. Demgegenüber äußerten sich Eltern mit akademischem Abschluss häufiger unzufrieden etwa mit der Vielfalt des Ganztagsangebots und den Möglichkeiten der individuellen Förderung.
Nach den Erkenntnissen der Forschenden spielt auch der Wohnort eine Rolle. Demnach nutzten Familien in städtischen Regionen den Ganztag häufiger (63 Prozent) als Familien im ländlichen Raum (56 Prozent). Eltern auf dem Land bekundeten häufiger, keinen Betreuungsbedarf zu haben. Zugleich gaben 14 Prozent der Eltern im städtischen Raum an, keinen Platz gefunden zu haben, gegenüber 8 Prozent im ländlichen Raum.
Die Veröffentlichung
Kielblock, A.; Haas, T.; Kielblock, S. (2026). Betreuung und Bildung von Grundschulkindern. Perspektiven der Eltern. Bericht zur bundesweiten Elternbefragung zu Betreuung und Bildung von Grundschulkindern im Rahmen des Forschungsverbunds "Schule macht stark – SchuMaS". Frankfurt a. M.: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. https://doi.org/10.25656/01:35177
Kontakt
Wissenschaftliche Auswertung: Dr. Amina Kielblock, +49 (0)69 24708-756, YS5raWVsYmxvY2tAZGlwZi5kZQ==
Presse: Anke Wilde, +49 (0)69 24708-824, YS53aWxkZUBkaXBmLmRl